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Start Logbuch ARC 2008 1. Woche auf See
SY Charisma beim Start der ARC 2008

Delphine geleiten uns durchs Meer

Unter Spinnaker Kurs Süden

ARC - Crewversammlung im Cockpit

Kulinarische Köslichkeiten auf dem Atlantik

Wolken über dem Atlantik
















Atlantic Rally for Cruisers 2008 - 1. Woche auf See


Die Crew:
Matthias Meyer, Wachführer
Hartmut Herrmann, Wachführer
André Wolff
Peter Frey
Fredi Hitz
Michael Rahn
Jens Lemke
Constantin Claviez, Schiffsführer


23. November 2008
Frühstück im Hotel Santa Catalina. Zeit für persönliche Anliegen. Die Crew spendiert der SY Charisma ein paar Cockpitkissen für eine gemütliche Überfahrt...

Vorbereitungen auf der Yacht zum Auslaufen. Bordzeit ist UTC. Ablegen um 11h30 mit vielen anderen an der ARC teilnehmenden Yachten in einer stimmungsvollen und bewegenden Auslaufparade.
Das Wetter verspricht mit einsetzenden, passatähnlichen Winden aus N-NE einen günstigen Auftakt zur ARC 2008.
Countdown zum Start. Setzen des Großsegels (42 qm) im Schutze des Hafens.

Vorbereiten des Leichtwind-Spinnakers. Im Pulk des dichten Feldes segeln wir der Startlinie entgegen. Mit dem Start rollen wir die Genua II (73 qm) aus und luven mit SE-Kurs hoch. Mit dem Freisegeln von den dicht gedrängten Segelyachten setzen wir den weiß-rot-blauen Leichtwind-Spinnaker 'Runner' (191 qm). In schöner Stimmung dieses seglerischen Ereignisses segeln wir im guten Abstand von den Inseleinflüssen der Ostküste von Gran Canarias in südliche Richtung. Wir setzen uns vom Gros des Regatta-Feldes ab - ein sehr guter Einstieg in unsere Transatlantik-Regatta.

Die Winde frischen auf. Mit 5-6 Beaufort segeln wir in der Atlantikdünung mit unserem Spi am Limit. Die Crew zeigt ihr seglerisches Potential mit wachsamer Seemannschaft und aufmerksamen Steuerleistungen.

Die Südküste Gran Canarias bleibt Steuerbord achteraus liegen und wir segeln dem Sonnenuntergang entgegen. Die Winde wehen nun böig, bis auf Starkwind auffrischend. Wir bergen den Spi in der Dämmerung, halsen und rollen die Genua auf Steuerbord ausgebaumt aus. Delfine begleiten uns hinaus aufs weite Meer...
Mit der Zubereitung eines Büffets im Cockpit leiten wir unsere erste Nachtfahrt bei dieser ARC ein. Unser überlappend gefahrenes Wachsystem tritt in Kraft. Jedes Crewmitglied geht vier Stunden Wache, zwei Stunden mit dem ersten, zwei Stunden mit dem zweiten Wachpartner. Bei sieben Crewmitgliedern kommen somit zehnstündige Freiwachen zustande, die genügend Raum für zusätzliche Sondereinsätze lässt. Als Skipper bleibe ich in bewährter Manier wachfrei, um für jede Situation da zu sein...

24. November 2008
Die Nachtfahrt verläuft bei leicht variablen NE-E Winden um 4 Beaufort ruhig. Die Wachen halten die Yacht zuverlässig auf Kurs. Es ist so dunkel, dass kaum etwas zu erkennen ist, somit setzen wir erst in der Morgendämmerung nach einer erneuten Halse, unseren Leichtwind-Spi 'Runner'.

Im kräftigen Licht der aufgehenden Sonne segeln wir unter 233 qm Segelfläche in den neuen Tag. Unser Kurs führt uns in südwestliche Richtung, mit dem Kanarenstrom parallel zur 150 sm entfernten Nordwestküste Afrikas gen Kapverden. Diese Entscheidung fällt entsprechend der optimal zu nutzenden Naturbedingungen.
Das Etmal am Tag 1: 170 sm.

Über Grund haben wir lt. Positionsmeldung an die ARC 125 sm zum Ziel gut gemacht. Wir mussten jedoch wg. der zeitweise variablen NE-Winde mit wechselnden Kursen die Fahrt im Schiff halten. Die Yacht läuft unter dem Spi hervorragend. Die Crew genießt die Atmosphäre an Bord. In den Abendstunden bergen wir den Spi, rollen dafür die Genua aus und fixieren sie über den Spinnakerbaum auf Raumschot-Kurs. Das Großsegel ist permanent mit einer Bullentalje gesichert. Eine Wolkendecke verhüllt die Sterne und wir steuern bei variablen und unstetigen Winden aus E in eine pechschwarze Nacht.


25. November 2008
Eine nächtliche Flaute lässt die Segel flappen. In den frühen Morgenstunden setzen wir bei aufkommenden schwachen E-SE Winden erneut unseren Leichtwind-Spinnaker 'Runner'. Für das Manöver schalten wir unsere Decksbeleuchtung ein, anschließend muss sich das Auge wieder an die Dunkelheit gewöhnen. Nach einer Stunde konzentrierten Steuerns setzt die Dämmerung ein und läutet einen neuen schönen Tag auf See ein. Vereinzelt sind noch Yachten zu sehen, die sich für eine ähnliche Route wie wir entschieden haben.

Das Etmal am Tag 2: 130 sm.

Kontinuierlich kommen wir voran, die Geschwindigkeit wird sich noch steigern. Die Bordroutine spielt sich ein. Neben dem Segeln kommt auch das Kulinarische nicht zu kurz. Tagsüber saftige Ananas, schmackhafte Tomaten, herzhafter Serrano-Schinken und abends natürlich ein exzellentes Steak. Gestärkt in guter Stimmung segeln wir mit konzentrierten Steuerleistungen bei E-NE 3-4 in die nächste Nacht - zappenduster ohne Mond, diesmal jedoch ohne Wolkendecke sternenklar...


26. November 2008
Der traumhafte Sternenhimmel wirft Sternschnuppen während Delfine über Stunden mit uns ziehen und fluoreszierend durch den Ozean gleiten. Die Konturen des Spinnakers lassen sich im Sternenhimmel noch erkennen. Wir haben jedoch noch andere Parameter, wie die Windanzeigen und natürlich primär das Gefühl für das Schiff und die Dynamik der Yacht, jeweils beeinflusst in welchem Anstellwinkel wir uns zum Wind bewegen.

In den frühen Morgenstunden muss ich in der Dunkelheit dann doch das erste Mal bei dieser ARC in den Mast. Der Spi hat sich durch eine vorübergehende Instabilität ums Vorstag vertörnt und muss in einer gemeinsamen Crew-Aktion freigewickelt werden. Als das Morgenlicht die Szenerie erhellt, erscheint die klassische Passatbewölkung, so wie wir es bereits am ARC-Starttag erlebt hatten. Diese klaren vereinzelten weißen Cumulus-Wolken deuten auf den Passatgürtel hin.

Wir bereiten das Manöver zum Schiften des Spinnakers vor, da der Wind auf NE zurück gedreht hat und daraus resultierend unser Kurs mittlerweile bei 200° liegt. Mit dem doppelten Schotensystem jonglieren wir die 191 qm Segelfläche mit zwei Spinnakerbäumen wie eine Marionette ums Vorstag, nun auf Backbord-Bug. Gleichzeitig erfolgt die Koordination von der Halse mit dem Umsetzen der Bullentalje, der Preventer sowie dem neuen Einstellen der Segel. In schneller Fahrt segeln wir wie auf Schienen durch den Nordatlantischen Ozean.

Das Etmal am Tag 3: 170 sm.

Wir beschäftigen uns zum ersten Mal auf dieser ARC mit der Astronavigation. Der Wind dreht am Nachmittag rechts auf E-NE 3-4, leicht böig - wir schiften erneut den Spinnaker, um mit der Halse wieder südwestlichen Kurs anlegen zu können. Wir segeln in die warme Nachmittagssonne, genießen ein leckeres frühes Abendessen im Cockpit und segeln in eine weitere milde Nacht. Der mäßige E-NE Wind wird böig und der Spi in der Dunkelheit immer schwerer zu erkennen. Bevor die Yacht aus dem Ruder laufen könnte, bergen wir das Tuch kurz vor Mitternacht, halsen und baumen die Genua auf Steuerbord aus.

27. November 2008
Die Segelstellung bewährt sich für eine ruhige Nacht, in der wir kontinuierlich unserem Wegepunkt dicht bei den Kapverdischen Inseln entgegen segeln. Mit Einsetzen der Morgendämmerung heißen wir erneut den Leichtwind-Spinnaker 'Runner' auf. Mit einem leichten Rechtsdrehen des Windes schließt sich ein Schiftmanöver an. Dabei bricht der Block des Niederholers vom neuen luvwärtigen Spinnakerbaum, der nun aufgrund der Kräfte im Spinnaker nach oben steigt. Der Rudergänger nimmt mit viel Gefühl Druck aus dem Segel während die Crew einen Ersatzblock anschlägt und in Funktion bringt. Ein routiniertes Manöver mit Kreativ-Potential... Mit Kurs WSW segeln wir mit guter Geschwindigkeit bei nunmehr grau bedecktem Himmel dem Passatgürtel weiter entgegen.

Das Etmal am Tag 4: 170 sm.

Der Wind wird unstetig und böig. Seit Tagen ist eine große Schlechtwetterfront über dem Nordatlantik angekündigt, die mit bis zu stürmischen Winden zu einer Passatwindstörung führen wird. Wir bergen den Leichtwind-Spinnaker aufgrund überholender Schiffsbewegungen und heißen dafür unseren feuerroten Starkwind-Spinnaker 'Fighter' (160 qm) auf. Unser Ziel ist es mit einem südwestlichen Kurs an diesem Frontensystem weitestgehend vorbei zu segeln. Mit 8 bis 9 kn jagen wir durch den Nordatlantischen Ozean. Dabei erreichen wir in Mega-Surfs teilweise bis zu 12 kn durchs Wasser...

Am frühen Abend frischt es mit kräftigen Böen weiter auf, mittlerweile weht es mit E 6-7, entsprechend nimmt der Seegang zu. Die Charisma segelt mit über 200 qm Segelfläche am Limit und ist nur noch mit extremen Ruderkorrekturen auf Kurs zu halten. Wir verringern das Großsegel ins erste Reff, rollen das Vorsegel aus, bergen den Starkwind-Spinnaker und rüsten den Spinnakerbaum für die anschließend ausgebaumte Genua um. Hartmut fängt seinen ersten Fisch bei dieser ARC. Eine Golddorade hat sich in einem der nachgeschleppten Angelhaken verfangen, wird an Bord gezogen, ausgenommen und filetiert. Mit rasanter Geschwindigkeit segeln wir in die nächste Nacht.


28. November 2008

Die Wachen halten auch in dieser dunklen Neumondnacht die Yacht gut auf Kurs. In den frühen Morgenstunden beruhigt und stabilisiert sich der Wind auf E-SE 4-5 Beaufort. Wir überqueren den 20. Breitengrad N. Der erste fliegende Fisch landet an Bord. Mit der Morgendämmerung heißen wir erneut unseren roten Starkwind-Spinnaker auf. Aufgrund der schnell einsetzenden Erwärmung der Sonne verstärkt sich der Wind am Vormittag entsprechend. Damit belassen wir auch das erste Reff im Großsegel, um achtern etwas den Druck vom Ruder zu nehmen und um gleichzeitig das Kräfteverhältnis in Richtung des vorne angeschlagenen Spinnakers zu regulieren. Der Vortrieb wirkt unter diesen Konditionen besser - gerade bei der sich aufbauenden See.

Das Etmal am Tag 5: 180 sm.

Ein herrlicher Segeltag bei frischen östlichen Winden am Rande des Passatgürtels. Der Starkwind-Spinnaker kommt aufgrund seines im Verhältnis zum Leichtwind-Spi ranken Designs bei raumen Kursen weniger unter die Abdeckung des Großsegels und lässt sich bei diesen Naturbedingungen wechselhafter Winde und aufbauender Seen auf dem Atlantik ausgezeichnet segeln.


29. November 2008
Die Crew berichtet, dass wir in der Nacht durch zwei weiße nach Schwefel riechende, im Durchmesser ca. 500 m große Wasserflächen gesegelt sind. In der tiefen Dunkelheit des frühen Morgens schwingt plötzlich der Spinnaker unkontrolliert hin und her. Mit Einschalten der Decksbeleuchtung erkennen wir, dass sich der Achterholer am Takling durch die Wechsellasten am Spinnakerbaum durchgearbeitet hat. Wir bringen die Yacht mit Gefühl vor den Wind, fieren den Toppnanten, schären die bisher luvwärtige inaktive Spi-Schot als neuen Achterholer und bringen die Konstruktion wieder in Funktion. Ein souveränes Manöver in der bewegten See des Atlantiks. Mit der einsetzenden Morgendämmerung schiften wir den Spinnaker und segeln mit der Halse bei frischen östlichen Passatwinden westlichen Kurs. Mit der Erwärmung bzw. Erhitzung der Sonne nimmt es auf Starkwind E 5-6 zu.

Das Etmal am Tag 6: 190 sm.

Am Nachmittag fängt Hartmut einen weißen Thunfisch, gefolgt am Abend durch eine Golddorade. Beide Fische werden professionell ausgenommen, eingelegt und im Kühlschrank gelagert. Für das heutige Abendessen sind pikant gewürzte Spagetthies bereits zubereitet und werden im Cockpit serviert. Wir queren unter dem milden wie sternenklaren Himmel den 17. Breitengrad, um die nächsten vorausgesagten Squall-Aktivitäten zu umgehen.

Die ARC verläuft bisher in allen Belangen optimal - die Stimmung in der Crew ist top und die wetterstrategischen Entscheidungen haben 100% gepasst. Der Starkwind-Spinnaker ist nun in der zweiten Nacht in Folge oben und führt mit der Yacht zu rauschenden Geschwindigkeiten auf dem Meer. Der Skipper spendiert der Crew zur Feier des Tages im Zuge einer kleinen, mit Musik unterlegten Bordparty jedem eine Dose gekühltes Bier. Die Atmosphäre ist unter dem sternenklaren Nachthimmel auf dem weiten Meer bei diesen milden Temperaturen einfach fantastisch.


30. November 2008
In den frühen Morgenstunden wird es mit dem Aufzug dunkler schnellziehender Cumuluswolken böig und die See baut sich auf. Wir binden das erste Reff ins Großsegel, um den Segeldruckpunkt mehr auf den Starkwind-Spi zu verlagern, die Drehbewegungen des Kurzkielers zu reduzieren und das freihängende Spatenruder zu entlasten.

Mit konzentrierten Steuerleistungen steuern wir mit optimalem Speed in die Morgendämmerung. Die Sonne geht auf, es heizt sich auf, der Passat nimmt wieder auf vollen Starkwind zu. Wir bergen den Spi, halsen und baumen die Genua auf Steuerbord aus.

Das Etmal am Tag 7: 170 sm.

Das Team sendet all 'Friends of Charisma' eine Grußbotschaft zum 1. Advent: an Bord SY Charisma GER 5625, 30.11.08 Pos. Atlantik 16,5 °Nord 16,5° West, an alle unsere Frauen, Kinder, Verwandte und Freunde.

Die herzlichsten Grüße zum 1. Advent aus der scheinbar unendlichen Weite des Atlantiks senden Euch alle Crewmitglieder. In Gedanken sind wir bei Euch und freuen uns über Euer reges Interesse an unserem Abenteuer.

Nach einer fröhlichen Charisma - Bordparty gestern Abend, anläßlich der Vollendung unserer 1. Woche auf See unter einem atemberaubenden Sternenhimmel sind wir seit heute Morgen wieder voll im Einsatz. Mit fliegenden Segeln jagen wir bei Sonne und einem warmen stürmischen Wind durch die Atlanikwellen mit Westkurs direkt auf St. Lucia zu, begleitet von einem unentwegtem Rauschen und Donnern der brechenden Seen.
Nur noch 1.850 sm!!!!
Wir sind alle wohlauf, die ist Stimmung sehr gut...
Eure Männer, Väter und Freunde
Constantin, Matthias, Jens, Fredi, Michael, André, Peter und Hartmut.

Bitte leitet diese Grüße an unsere Freunde weiter, deren Email Adressen wir nicht eingetragen haben.

Diese Email senden wir von Bord via Kurzwellenfunkanlage, deren Signale in Bern aufgefangen werden und von dort zum Server in Kiel via Lichtwellenleiter weitergeleitet werden. Dort werden die Emails ins Netz gestellt. Unsere Anlage sendet lediglich mit 150 Watt (die Leistungsaufnahme einer hellen Glühbirne), mehr nicht und reicht dank der Funkwellenreflektion in der Stratosphäre so weit zu Euch in die ferne Heimat.


Aufgrund der lt. Wetterbericht zu erwartenden Windverhältnisse halsen wir zur Mittagszeit. Kurz vor dem 30. Längengrad W bedeutet der Schiffsmittag demnach 14h00 UTC. Es weht mit E 4 nun moderat und der Seegang lässt wieder nach. Wir schütten das erste Reff aus und segeln neuem Kurs SW. Zur Feier des 1. Advents auf See gibt es Christstollen aus Thüringen...
Hartmut fängt die nächste Golddorade. Mit den US Gribdaten werten wir das Wettergeschehen aus. Am Abend dreht der Wind links auf nordöstliche Richtung, wir schiften den Spinnaker erneut und segeln nach der Halse mit Kurs WSW in die nächste Nacht,...
 

Lust auf Segeln? Kommen Sie an Bord unserer Nautor's Swan und segeln Sie unter der fachlichen Anleitung von Profi-Skipper Constantin Claviez.
Segelreviere: Nordsee, Ostsee, Englischer Kanal, Atlantik, Keltische See, Irminger See, Nordmeer, Karibik und Ostküste USA.
Unser besonderes Highlight: Schwerwettertraining auf der Nordsee.