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Atlantic Rally for Cruisers 2008 - 2. Woche auf SeeFortsetzung vom 30. November ... Mit den US Gribdaten werten wir das Wettergeschehen aus. Am Abend dreht der Wind links auf nordöstliche Richtung, wir schiften den Spinnaker erneut und segeln nach der Halse mit Kurs WSW in die nächste Nacht,... 1. Dezember 2008 ... die angenehm und ruhig verläuft, ebenso der Vormittag. Wir haben zwar die Passatzone erreicht, die Winde wehen jedoch bei weitem nicht so stark, wie bei den vergleichbaren Atlantiküberquerungen der ARC 2002 und 2006. Das Etmal am Tag 8: 155 sm. Bei den tagsüber auf E 2-4 nachlassenden Winden bergen wir den Starkwind-Spinnaker. Es kommt stattdessen ein guter alter Bekannter wieder zum Einsatz - unser blau-weiß gestreifter Spinnaker 'Obelix' (180 qm). Nach dem Spinnaker-Wechsel widmen wir uns erneut der Astronavigation und dem Handling des Sextanten. Wir messen die Höhenwinkel der Sonne sowie die der Venus und des Mondes, die in einer interessanten Konstellation, direkt übereinander stehen. Mit der Abenddämmerung schläft der Wind ein. Bei unserem Essen im Cockpit schlägt das Großsegel in der Dünung des weiten Atlantiks während der Leichtwind-Spi sich schlaff ans Vorstag um die eingerollte Genua schmiegt. Die nächste Flaute hat uns ereilt. Das Knallen des Großsegels geht durch Mark und Bein - die nicht segelbaren Brisenstriche füllen nicht das Segeltuch, das stattdessen durch das Schlagen der Schiffsbewegungen massiven Belastungen ausgesetzt wird. Wir bergen das Großsegel, um unsere Ressourcen zu erhalten. Die nun einkehrende Ruhe erfüllt die Crew - die seichte Stimmung unter dem sich entwickelnden Sternenhimmel. Wir versuchen diesen ganz leisen Windhauch allein mit dem leichten Tuch des Spinnakers einzufangen, den wir mit zwei Spinnakerbäumen, Achterholern und Schoten auseinanderspreizen. Uns gelingt eine Fahrt von 1 kn durchs Wasser, 2 kn über Grund. Der zusätzliche Knoten ist der Nordäquatorialströmung zuzuschreiben.... 2. Dezember 2008 Die Nacht verbringe ich auf dem Vorschiff begleitet von dem sachten Rascheln des Spinnakers unter der Kulisse des sternenklaren Himmels. Die Crew-Wachen halten die SY Charisma geduldig auf Kurs. Eine aufkommende leichte Brise dreht für uns günstig von E auf S. Wir setzen umgehend das Großsegel, schlagen den nun leewärtigen Spinnakerbaum ab und bringen den Leichtwind-Spi über den luvwärtigen Backbord-Spinnakerbaum und dem Jockeypole auf eine Halbwind-Konstellation. Nach Einstellen der Segel kommen wir somit auf eine Geschwindigkeit von 6 kn über Grund - bei gerade eben 2 Beaufort! Schon bei der Transatlantik-Regatta HSH Nordbank Blue Race 2007 von Newport, R.I. nach Hamburg hatten wir unterm 'Obelix' seinerzeit bei ähnlichen Windverhältnissen viele Seemeilen gut gemacht... Das Etmal am Tag 9: 100 sm. Das Charisma-Team ARC 2008 sendet all 'Friends of Charisma' eine zweite Grußbotschaft: an Bord SY Charisma GER 5625, 02.12.08 Pos. Atlantik 15,8 °Nord 33,9°West Liebe Freunde der SY Charisma an Land! Schöne Grüße vom zur Zeit wohl größten Parkplatz auf See, den man sich vorstellen kann. Seit gestern Mittag liegen wir hier mit schlagenden Segeln in der Dünung mitten im Atlantik; ganz gleich in welche Richtung wir fahren wollten, es sind immer mehr als 1000 sm bis zur nächsten Küste. Bei diesem Tempo verlieren wohl unsere Flugbuchungen ihre Gültigkeit; aber noch sind wir voller Hoffnung auf ausreichend Wind für die nächsten Tage. Vorangegangen war eine Woche mit ausreichenden und teils kräftigen Winden, mit deren Hilfe unsere Charisma mit ihrer Reisegeschwindigkeit uns Tag für Tag an Platz 2 unserer Gruppe gebracht hat. Dabei legen wir Wert darauf, dass wir nicht mit der Unterwassergenua (Motor) nachhelfen. Einige Boote tun dies, melden dafür aber auch fairerweise die gefahrenen Motorstunden täglich über Funk oder Email an die Regattaleitung, die diese Stunden natürlich bewerten wird. Also wundert Euch nicht, wenn auf dem Racetracker einige Boote uns nun trotz Flaute davonlaufen und Ihr denkt, wir liegen alle in den Kojen; abgerechnet wird im Ziel. Unsere Charisma wird unter dem Kommando vom Skipper Constantin bereits zum neunten Mal über den Atlantik gesegelt. Dass bürgt für den richtigen Spürsinn für Wind und Stimmung an Bord. Danach als zweit Wichtigstes an Bord aller Boote ist ja bekanntlich die Verpflegung. Was das leibliche Wohl bei uns an Bord angeht, sorgt unser Fredi aus der Schweiz für kulinarische Genüsse als Chef de Cuisine und dem Einsatz gleich mehrerer Hilfsköche. Heute ließ Fredi ein "Pot au Feu" anrichten, einfach super. Ganz grob betrachtet, haben wir die Hälfte der Strecke hinter uns gelassen und bereits jetzt schießen die Fantasien der Crewmitglieder hinsichtlich der Landparties in St. Lucia wohl über die ernüchternde Realität hinaus. Dabei sind wir ja erst den neunten Tag auf See! Da kann man mal wieder sehen, wie wichtig doch die Frauen sind; oder! Euch Frauen aller Segler an Land ein großes Dankeschön von der Charisma Crew, dafür dass Ihr an Land die Stellung haltet. Jetzt nur noch 1500 sm-chen!!!! Wir sind wohlauf, die ist Stimmung wie immer sehr gut. Eure Männer, Väter und Freunde Constantin, Matthias, Jens, Fredi, Michael, André, Peter und Hartmut. Bei nun im Tagesverlauf von S-SW 2 auf S-SE 2-3 drehenden leichten Winden kommen wir in der ruhigen See des Atlantiks immer besser voran... 3. Dezember 2008 Kontinuierlich segeln wir unter unserem Leichtwind-Spinnaker 'Obelix' unserem Ziel entgegen. Dabei passen wir unsere Kurse den variablen leichten E-SE Winden entsprechend an. Es geht um das Feingespür mit dem optimalen Anstellwinkel zum Wind die beste Geschwindigkeit mit der Yacht zu erzielen und gleichzeitig den Kurs zum Ziel einzuhalten. Bei den zumeist achterlich einfallenden Passatwinden bedeutet das mit Raumschot-Kurs kreuzen vor dem Wind. Von daher sind unsere zurück gelegten Distanzen immer größer als die von der ARC mitgeteilten Etmale. Das macht Sinn, wenn der längere Weg objektiv schneller zum Ziel führt. Es geht in diesem Zusammenhang ebenfalls um die Schiffsbewegeungen sowie die Belastungen von Rigg und Segel und natürlich - um das Leben an Bord. Das Etmal am Tag 10: 115 sm. Zur Mittagszeit nimmt der E-SE Wind allmählich auf 3-4 Beaufort zu. Die Temperaturen ebenfalls. Tagsüber wird es richtig heiß - die Sonne knallt. Die Hitze wird lediglich im subjektiven Wahrnehmen abgemildert - durch den Wind. Unser Kurs führt uns weiter gen WSW. Es gilt auch in den scheinbar weniger anspruchsvollen Zeiten die Konzentration mit aufmerksamen Steuerleistungen zu halten. Nach einem Abendmenü im Cockpit segeln wir in die vom zunehmenden und damit höher stehendem Mond in die nächste, nun etwas hellere Nacht. Unter unserem 'Obelix' machen wir bei E-SE 4-5 Beaufort rasante Fahrt durch die glitzernde, mäßig bewegte See des Atlantiks. 4. Dezember 2008 In der dunklen Nacht muss ich zum zweiten Mal bei dieser ARC in den Mast. Der Spinnaker hat sich um die eingerollte Genua am Vorstag vertörnt. In der Windabdeckung des Großsegels zieh' ich das Spinnakertuch am Masttop in die gegenläufige Richtung, bis der Spi wieder freikommt und der Rudergänger mit Anluven das Segel wieder mit Wind füllt. Interne Crewbesprechung im Cockpit. Mit Kurs WSW segeln wir in die Morgendämmerung. Die Passatwinde bleiben mäßig und wehen weiterhin aus östlicher Richtung - wir haben unseren 'Obelix' mit einen Windanstellwinkel von 150° zur Schiffslängsachse sauber eingestellt. Das Etmal am Tag 11: 165 sm. Das Charisma-Team ARC 2008 sendet all 'Friends of Charisma' eine dritte Grußbotschaft: an Bord SY Charisma GER 5625, 04.12.08 Pos. Atlantik 14,3 °Nord 38,5°West Liebe Freunde der SY Charisma an Land! Die Jagd geht wieder weiter! Nach 2 Tagen schwachen und mäßigen Winden ging es ab gestern Abend wieder los. Und statt im naßkalten Deutschland zur Arbeit zu fahren oder am Schreibtisch zu sitzen, fahren wir z.Z. unter dem blauweiß gestreiften Spi, genannt 'Obelix' (180 qm) und ziehen unsere Bahn immer gen Westen. Dabei durchfahren wir Zeitzonen, ohne dass wir unsere Bordzeit daran anpassen. Die gesamte ARC-Flotte fährt in UTC (united time coordinated), was der gegenwärtigen Winterzeit in England entspricht. Das heißt, Bordzeit ist eine Stunde nach Eurer Zeit. Bedingt dadurch, wird es bei uns jeden Tag später hell. Einem Raumschiff gleich, bleiben an Bord die Zeitzone und die Wachrythmen unverändert. (Aha!). Trotz der vergangenen Schwachwindtage konnten wir ein Etmal von mehr als 100 sm hinlegen, was aber auch zum Teil an dem mitlaufenden Äquatorialstrom liegt, der uns mit bis zu 1 Knoten nach Westen schiebt (also ankommen tun wir immer, fragt sich nur wann und wie!!) Unser Frischfleischkontingent ist aufgebraucht. Daher wird wieder mittels Schleppleine gefischt und siehe da, eine kapitale Golddorade ging uns gestern Mittag an den Haken, tobte eine halbe Stunde 150m achteraus an der Leine, bis sie sich losgerissen hat oder ein noch größerer Räuber sie verschlang. Als Trost blieb uns der Fang eines kleineren Exemplares, was auch viel kombüsenfreundlicher ist. Heute Mittag haben wir einen großen Barracuda gefischt. Und die fliegenden Fische sind ohnehin um uns herum und segeln über den Wellen. Bis heute Morgen konnten wir an unserer Bb-Seite achterlich querab zwei Mitläufer ausmachen, haben aber keine Ahnung wer diese beiden sind. Die Temperaturen sind inzwischen so weit gestiegen, dass wir seit drei Tagen und Nächten nur noch das nötigste am Leibe tragen. Wassertemperatur ca. 26 Grad. Dies begründet die ansteigende Frequentierung unserer luxeriösen, mobilen Nasszelle, bestehend aus einer schwarzen Pütz mit Leine, einem Handtuch + Duschmittel und dem Teakholzbelag des Vorschiffes. Nach rechtzeitger Vorbuchung ist der perfekte Badespaß zu bekommen!!!!!! Nicht geboten werden Seenixen zum Rückenschrubben; in diesem Punkt sollte der Skipper noch nachlegen! Gratis sind Warmwasser, Badesalz, Föhn und Solarium vom Feinsten. Damit kein Neid aufkommt, sei so nebenbei erwähnt, dass der Selbstwaschvorgang zu einem heftigen Rodeoritt gedeiht; da das Vorschiff in einer gegenläufigen Dünung und Windsee zugleich rollt, giert und stampft. Dabei noch den Wassereimer statt einem Lasso zu beherrschen ist schon höhere Bordakrobatik! Ab heute Nachmittag sind es noch 1315 sm!!! Wir sind wohlauf, die ist Stimmung wie immer sehr gut. Eure Männer, Väter und Freunde Constantin, Matthias, Jens, Fredi, Michael, André, Peter und Hartmut. Am Nachmittag geht ein Barracuda an die Angel - ein prachtvoller Fisch, der in den verschiedensten Blautönen brilliert. Nach kurzer gemeinsamer Absprache lassen wir ihn jedoch wieder schwimmen - der Kreislauf der Natur... Bei steten, mäßigen bis frischen östlichen Passatwinden segeln wir unter dem exzellent eingestellten Leichtwind-Spinnaker 'Obelix' in die nächste, vom weiter zunehmenden Mond erhellte Nacht. 5. Dezember 2008 Mitternacht - es frischt auf. Die Passatwinde wehen nun bis zu 6 Beaufort mit vollem Starkwind, zudem durchsetzt mit Böen. Der Seegang nimmt entsprechend zu. Die Charisma segelt am Limit und holt immer mehr über. Unsere Erfolgsgarantie liegt in einer ausgezeichneten Fehlervermeidungsquote - also: "When it's time to reef? - "The first moment, you even think about it!"! Nach 85-stündigen Einsatz des Leichtwind-Spinnaker 'Obelix' ist es an der Zeit den Spi durch den Starkwind-Spinnaker 'Fighter' zu ersetzen. All hands on Deck! Jedes Crewmitglied bekommt eine klare und präzise Einweisung auf seinem Posten - dann geht alles blitzschnell: Die Yacht läuft sauber auf Kurs raumen Wind, die Charisma ist für das bevorstehende Spinnaker-Bergemanöver durch die Decksbeleuchtung in der zappendusteren Nacht taghell erleuchtet. Der Achterholer wird freigegeben, gleichzeitig greift sich die leewärtig positionierte Crew die Spinnakerschot, während das Spifall gefiert wird, die Crew 180 qm Tuch zügig einholt, das Tauwerk abschlägt und den Spi ins Yachtinnere verstaut. Die Genua II wird ausgerollt, der Starkwind-Spinnaker 'Fighter' in Position gebracht, aufgeheißt, ausgerichtet, das Vorsegel wieder eingerollt und die Segeleinstellung perfektioniert. Ein Top-Manöver - Congratulations my Charisma ARC Team 2008 - das hätte eine Profi-Crew kaum besser hin bekommen! Die Yacht liegt nun wieder sehr gut in Kurs und Segelstellung - das bedeutet jedoch auch viel Arbeit für die jeweiligen Wachen die Charisma optimal auf Kurs zu halten. In den Morgenstunden frischt es im Passatgürtel erfahrungsgemäß auf - die Böen nehmen aufgrund der Energiefelder der achtern aufziehenden dunklen Wolken zu. Das Wind-Histogramm zeigt ein Mittel von 18 kn wahren Wind, der jedoch in Spitzen bis zu 25 kn anzeigt. Mit der sich aufgrund dieser Windverhältnisse immer weiter aufbauenden See bedeutet das für uns abermals das Limit die Yacht sauber kontrolliert auf Kurs zu halten. Als die Ruderausschläge zu groß werden bereiten wir in der Dunkelheit der frühen Morgenstunden erneut das Bergen des Spinnakers vor. Das Manöver klappt mit vereinten Crewkräften wie gehabt. Mit einer Halse bringen wir die Yacht neu auf Kurs und baumen die Genua auf Steuerbord aus. Mit dem erstem Reff im Groß verlagern wir den Segeldruckpunkt weiter nach vorne. Das Team wird mit einem dramatischen Sonnenaufgang und einer rasanten Fahrt durch den Atlantik belohnt. Am Vormittag binden wir aufgrund der Überholbewegungen der Yacht das zeite Reff ins Großsegel. Das Etmal am Tag 12: 190 sm. Das Charisma-Team ARC 2008 sendet all 'Friends of Charisma' eine vierte Grußbotschaft: an Bord SY Charisma GER 5625, 05.12.08 Pos. Atlantik 13,5 °Nord 41,0°West Wind ENE 6-7, See grob, Bew. 3/8, 2. Reff Groß, Genua, Kurs 272° Liebe Freunde der SY Charisma an Land! Für die letzten 1100 sm hat die Crew der Charisma beschlossen, alles zu geben. Ab jetzt wird auch nachts durchgesegelt und die Frühstückspausen auch. Vorangegangen war eine Einigung unserer Bordgewerkschaft ÖNV (öffentlicher Nachverkehr) mit der Schiffsführung unter Vermittlung vom bordeigenen Rechstanwalt für Arbeitsrecht Matthias, das ohne weitere Entgelte ab sofort rund um die Uhr gesegelt wird. "Wir wollen den Gruppensieg", heißt das Motto..... Heute morgen 0730: Seit einigen Stunden rollt die Freiwache zwischen den Bordwänden und den Leesegeln in ihren Kojen, krallen sich fest und an Schlaf ist nicht zu denken. Zu sehr drückt unser roter Sturmspi (genannt Fighter) das Boot immer wieder in die See um gleich darauf mit der gegenüberliegenden Bordwand tief durchzugeigen. Beide Spieren drohen bei bis zu 10 Knoten Fahrt in die See zu tauchen. Also raus aus den feuchtwarmen Kojen, T-Shirt, Hose und Rettungsweste gegrifffen, Decksbeleuchtung ein und raus ins Cockpitt. Es ist stockfinster, die Schaumstreifen ziehen in hellen Bahnen am Boot entlang, als würden wir fliegen. Kurze Manöverbesprechung mit dem Skipper zum Bergen des Sturmspis; jeder ist auf seiner Position. Jetzt kommt es darauf an, das System Charisma perfekt zu beherrschen. Es darf kein Fehler unterlaufen; es könnte fatal sein für uns. Kommandos werden gerufen, quittiert, Winschen rasseln, Schoten, Falle und Leinen laufen, die Jungs krabbeln über das rollende und stampfende Deck und nach ein paar Minuten ist der Spinnaker geborgen, die Genua ausgebaumt und das Groß einfach gerefft. Decksbeleuchtung aus. Acht Männer sitzen im Cockpit des weiter voran stürmenden Bootes unter einem gigantischen Sternenhimmel. Sie freuen sich über das geglückte Manöver, der Skipper drückt allen seine Anerkennung aus. Man löscht die vor Anstrengung ausgetrockneten Münder mit Wasser und allen steht die Begeisterung für dieses Unternehmen im Gesicht geschrieben. Im Osten deutet sich zaghaft die Morgendämmung an. So sind bereits zahlreiche Manöver abgelaufen, aber noch nie hatten wir alle ein so gutes Gefühl wie jetzt, was auf die inzwischen gewonnene Erfahrung und das Zusammenspiel dieser Crew zurückzuführen ist. Dabei hatte am Abend alles so harmlos angefangen. Wir segelten unter unserem blauweißen Obelix-Spi direkt auf dem Glitzerschein des Mondes, der hinter dem Spinnaker wie eine Kerze in einer Laterne fungierte. Alles war so leicht und schön, warm und sternenklar. Doch nach dem Wachwechsel gab es um 00.30 unser erstes Allemannmanöver, da der Wind mehr zunahm als erwartet. Ablauf wie oben, jedoch war die See noch recht manierlich. Borddienstplan heute auf Grund der mittlerweile groben See: Spa-Clubbereich auf dem Vorschiff aus Sicherheitsgründen geschlossen. Dafür Einzelunterricht im Uhrenlesen, abgehalten von unseren sächsischen und thüringer Crewmitgliedern, damit die Wessis endlich mal wissen was 3/4-tel acht bedeutet; usw. Ferner gibt es erweiterten Vokabelunterricht auf sächsisch/deutsch: z.B:"der Planet sticht" heißt so viel wie: die Sonne brennt, oder "dämmsig" was ganz einfach mit schwül zu übersetzen ist. Naja, Ihr könnt Euch vorstellen, was hier alles unter "Völkerfreundschaft" so ab geht. Zusammenfassen lässt sich die gegenwärtige Situation am besten durch Peter seinen allseits anwendbaren Ausspruch: "Leude, Leude, das sind Soachen" Ab heute Nachmittag sind es noch 1160sm!!! Wir sind wohlauf, die Stimmung ist wie immer sehr gut. Eure 8 Männer, Väter und Freunde Constantin, Matthias, Jens, Fredi, Michael, André, Peter und Hartmut auf einem Boot, einem winzig kleinen Punkt im aufgewühlten Atlantik Mit diesem Top-Team ist es eine Freude über den Atlantik zu segeln - es geht weiter... 6. Dezember 2008 In der Nacht halsen wir bei auf SE drehenden frischen Passatwinden. Seitenwechsel für ausgebaumte Genua und das vom Bullenstander gesicherte Großsegel. Mit westlichen Kurs halten wir unsere Sollkursline gen St. Lucia. Mit der aufgehenden Sonne setzen wir unseren Starkwind-Spinnaker 'Fighter'. Das Charisma-Team ARC 2008 sendet all 'Friends of Charisma' zum Nikolaustag eine fünfte Grußbotschaft: an Bord SY Charisma GER 5625, 06.12.08 Pos. Atlantik 13,9 °Nord 43,2°West Wind ESE 3-4, See mäßig. Spi 'Fighter', Kurs West An unsere lieben Frauen, Kinder, Angehörigen und Freunde der SY Charisma an Land! Herzliche Grüße von Bord ins ferne Europa zum Nikolaustag senden Euch allen Eure 8 Nikoläuse. Heute Nachmittag werden wir die 1000er Seemeilen-Marke knacken. Wir freuen uns über unser zügiges Vorankommen und ab gestern können noch Wetten bei Jens für die zutreffendste Einlaufzeit in St. Lucia abgegeben werden. Die Schätzzeiten liegen zwischen Freitag Mittag bis Samstag Früh nächste Woche nach Bordzeit UTC. Nach hier vorliegenden Informationen wird die Position unserer Charisma in Google-Earth täglich eingepflegt; schaut mal nach wo wir zu finden sind. Unsere Bordberichte findet Ihr auch unter www.worldcruising.com, unter der Rubrik "Daily Logs" sowie auf der Charisma Homepage www.charisma4sea.de. Euch allen wünschen wir einen entspannten Nikolaus- oder auch Einkaufssamstag in bestimmt weihnachtlich geschmückten Städten. NIKOLAUS ist der Schutzpatron der Seefahrer. Wir sind wohlauf, die Stimmung ist wie immer sehr gut. Eure 8 Männer, Väter und Freunde Constantin, Matthias, Jens, Fredi, Michael, André, Peter und Hartmut. NB: Leider haben wir die roten Mäntel und Mützen vergessen! Am Vormittag müssen wir jedoch unseren feuerroten Starkwind-Spinnaker alsbald wieder einholen. Es ist anscheinend zu viel Provokation für die Natur, denn graue und energiegeladene Wolkenfelder unseres ersten Squalls bei dieser ARC kommen auf uns zu... Das tiefblaue Wasser verwandelt sich in dunkles Anthrazit, fängt an zu kräuseln, wird kabbelig und beginnt zu schäumen. Zur gleichen Zeit variiert der Wind, um schließlich mit kräftigen Böen aus Nord einzusetzen. Wir lassen das Großsegel fallen und segeln den frischen Starkwind nur unter dem Vorsegel aus. Mit dem einsetzenden Regen lässt der Wind nach, die konfuse See bleibt. Wir heißen das Großsegel wieder auf und kurz danach unseren Leichtwind-Spinnaker 'Obelix'. Das Etmal am Tag 13: 165 sm. Es wehen nur noch ganz leichte Winde, die im weiteren Verlauf auf S drehen, wir schiften die Segel. Die Wolken lösen sich auf - der Wind auch. In ölglatter See dümpeln wir in der Gluthitze der späten Mittagszeit bei schlagenden Segeln in der Flaute, die sich bleiernd über uns legt. Wir bergen das Großsegel und baumen den Leichtwind-Spinnaker an zwei Spibäumen aus. Mit einem halben Knoten Nordäquatorialströmung treiben wir nach Westen. Höhere Gewalt - keine Chance des Vorankommens unter Segeln. Der Motor bleibt aus. Auf der Charisma gibt es keinen Motorantrieb für die gesamte ARC - das ist Ehrensache. Am Spätnachmittag setzt sich ein ganz leichter Nordwind durch. Mit dem Setzen des Großsegels und Umsetzen des Leichtwind-Spinnakers kommen wir mit perfektionierter Segeltrimm auf eine Fahrt von 3 kn durchs Wasser, die sich mit Stabilisieren der Windverhältnisse auf 5 kn steigert. Am Abend gibt es auf der SY Charisma nach einem Dinner die zweite Bordparty mit maximal einem Bier pro Crewmitglied. Die Vielfalt dieses Segeltages reicht von frischen nächtlichen Winden über das Erleben eines Squalls mit all seinen Auswirkungen bis hin zur totalen Flaute und dem allmählichen Einsetzen der Passatwinde. Begleitet durch stimmungsvolle Musik gleitet die Yacht durch den weiten Nordatlantischen Ozean unter einem von Passatwolken gestalteten fulminaten Sternenhimmel gen Westen. All das mit der entsprechenden Einstellung zu leben und zu erleben - es ist die Faszination charismatischen Segelns... 7. Dezember 2008 Die traumhafte sternenklare Nacht setzt sich bei moderaten Winden aus N fort. Unter den Passatwolken segeln wir unter Spinnaker in die Morgendämmerung. Unter dramatischen wie stimmungsvollen Wolkenformationen geht die Sonne auf und bringt mit der Erwärmung rechtsdrehende Winde auf NE 3-4 mit sich. Das Charisma-Team ARC 2008 sendet all 'Friends of Charisma' zum 2. Advent eine sechste Grußbotschaft: an Bord SY Charisma GER 5625, 07.12.08 Pos. Atlantik 13,7 °Nord 45,9°West Wind ENE 3, Bew. 4/8-tel, heiß An alle unsere Frauen, Kinder, Verwandte und Freunde senden wir die herzlichsten Grüße zum 2. Advent aus der Weite des Atlantiks. Was bei Euch an Temperaturen fehlt, haben wir im Überfluß. Bereits gestern nachmittag wurden wir über Stunden bei absoluter Flaute regelrecht gegrillt. Die hochstehende Sonne brennt auf das Deck, die Häute und das Meer. Hier findet die globale Heizungsanlage für ganz Nordeuropa ihren Anfang, ohne die es in der Heimat sibirsch kalt wäre. Gestern Vormittag hatte wir zunächst einen sogenannten Squall(Regen-Gewitter-Strumwindwolke) abzuarbeiten, der uns für den Rest des Tages Windstille und brütende Hitze bescherte. Die Wettervorhersagen sind das eine, das örtliche Wetter das andere, worauf wir uns einstellen müssen. Dafür gab es gegen Abend den erfrischenden Nordwind, der uns federlicht übers Meer gleiten ließ. Anläßlich der 2. vollendeten Woche auf See und dem Knacken der noch 1000sm Marke öffnete Skipper Constantin um 21.00 Uhr die Bordbar und es wurde daraus eine sehr romatische Cockpitparty bei Mondschein und sternklarer Nacht. Der Skipper sorgte für stimmungsvolle Musik und die gesamte Crew hing so manchem schönen Gedanken an Euch nach. Getoppt wurde diese eimalige Szene nur noch von den begleitenden Delpfinen, die uns mal wieder besuchten und mit der Charisma im Mondschein spielten. 5 Jungs standen nachst staunend am Bugkorb, Freude in den Augen, wie bei Kindern. Solch unvergessliche Eindrücke sind der Lohn für so manche Anstrengungen. Programm heute: Kaffekochen als Unterrichtsfach Die letzte Woche hat begonnen, der Endspurt läuft. Die Bestände in der Kombüse sind inzwischen übersichtlich und die Vorfreude auf unseren Landfall und das Wiedersehen mit Euch steigen. Euch allen einen stimmungsvollen Adventabend bei Kerzenschein am warmen Ofen. Wir sind alle wohlauf, die Stimmung ist wie immer sehr gut Eure Männer, Väter und Freunde Constantin, Mathias, Jens , Fredi, Michael, André, Peter und Hartmut. Das Etmal am Tag 14: 130 sm. Zeit für Astronavigation. Die Sonne steht klar am blauen Himmel und wirft ihre Strahlen auf das glitzernde Wasser des Atlantischen Ozeans. Die vorausberechnete Länge für unseren Schiffsmittag, liegt auf 045°45'W. Das Nautische Jahrbuch gibt für den 07.12.2008 den Kulminationspunkt der Sonne für 11:52 UTC an. Damit liegt unsere Beobachtungszeit für die Mittagsbreite um 14:55 UTC. Letztendlich haben wir uns also bereits drei Zeitzonen weiter nach Westen vorgearbeitet. Die Messung mit dem Sextanten (Indexberichtigung = 0') ergibt einen beobachteten Höhenwinkel von 53°21' zur Kimm. Der Korrekturwert der Gesamt- und Zusatzbeschickung für den Kimmabstand des Sonnenunterrandes (um die wahre Mittelpunktshöhe zu erhalten) entnehmen wir den Ephemeriden. Der Wert liegt bei 3 m Augeshöhe interpoliert bei 12,6' und addieren ihn zur Sextantenablesung. Die beobachtete Höhe beträgt damit 53°33,6' hb. Das Komplement zu 90°, der Höhe zum Zenit, beträgt 36°26,4'N (ohne Ekliptik wäre das bereits unser Breitengrad). Die Deklination der Sonne ist im Nautischen Jahrbuch mit 22°41,5'S aufgeführt und muss entsprechend der Jahreszeit des Winters auf der Nordhalbkugel von der Zenitdistanz abgezogen werden. Die beobachtete Schiffsbreite zum Kulminationszeit der Sonne beträgt somit 13°44,9'N. Im Abgleich mit der Ablesung vom GPS liegen wir mit unserer Sextantenmessung nach Einrechnen der vorgenannten Werte vom Nautischen Jahrbuch eine Seemeile südlicher, das delta h beträgt +1 sm (hin zum Gestirn). Qed - wir sind also auf einen guten Weg gen St. Lucia - immer weiter gen Westen... Mit auf frischen N Winden zunehmenden Passatwind segeln wir in die Abenddämmerung, bergen aufgrund einsetzender Böen den Spinnaker und segeln weiter unter Genua. Nach einer Stunde sind die dunklen Wolken durchgezogen, der Wind dreht rechts und beruhigt sich auf NE 4. Wir heißen erneut unseren Leichtwind-Spinnaker 'Obelix' auf. Er steht prächtig und wir gleiten durch die vom Mondschein erhellte Nacht... |



