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News von Bord - Segeln auf einer Nautor's Swan | charisma4sea

Segeln 2013 in SkandinavienVon Helsinki nach Hamburg

Nach einem Abstecher nach Tallinn und St. Petersburg ist die Hauptstadt Finnlands die letzte Metropole Skandinaviens, die wir auf unserer Reise anlaufen. Helsinki liegt in einem Geflecht von Schären. Durch hunderte vorgelagerten Inseln gibt es unzählige Routen und Fahrwasser die ins Zentrum der Stadt führen. Wir spleißen uns von Westen kommend in eines der Hauptfahrwasser ein und steuern bei herrlichem Sonnenschein den Stadthafen hinter der Insel Katajanokka an. Im Clubhaus des Motor- und Segelclub Helsinki wird die Saison mit einem Umtrunk beschlossen. Am Mastenkran reihen sich die Clubschiffe zum Mastlegen ein, es wird eifrig gearbeitet und gefeiert. Eines der Clubmitglieder empfängt uns sehr hilfsbereit in perfektem Deutsch.

Helsinki ist kleiner und beschaulicher aber nicht minder attraktiv als die anderen skandinavischen Hauptstädte. Durch die Innenstadt fährt eine Tram, die Einkaufsstraßen sind gesäumt von kleinen Geschäften, Cafés und Restaurants. Große Kaufhäuser sind in herrschaftlichen Jugendstilhäusern zu Hause. Der Dom strahlt hell über die Stadt und ist auch bei der Aussteuerung noch lange sichtbar, als wir am Sonntag auslaufen.

In 2 Wochen möchten wir in Hamburg sein. Die Mittelfristvorhersage lässt dieses Vorhaben erstmal fast aussichtslos erscheinen. Starkwind aus SW, die ganze nächste Woche! Wir entscheiden uns in den geschützten Schären so viel Strecke wie möglich nach Westen zu machen. Unser erstes Etappenziel ist mit Hanko 70 sm entfernt. Richtfeuer und ein Wald von Untiefentonnen leiten uns nach Einbruch der Dunkelheit vor die angefeuerte Einfahrt des Yachthafens. Mit dem Suchscheinwerfer leuchten wir die Kardinaltonnen in der Hafeneinfahrt aus, hinter dem Tonnenpaar tut sich im Hafenbecken gleich ein Felsen auf. Rechts davon ist im Scheinwerferlicht ein Schwimmsteg zu sehen. Die Wassertiefe liegt bei 8 Metern, wir biegen nach Steuerbord ab und machen bei aufkommendem Starkwind an der nagelneuen Steganlage fest. Die Charisma ist gut vertäut und wir haben uns den folgenden Anlegedrink redlich verdient!

Am nächsten Tag verleitet der nachlassende SW Wind zu der Möglichkeit mit einem Seeschlag an die NW-Spitze von Estland zu segeln. Wir könnten schon mal Strecke nach Süden machen. Die weiteren Aussichten sind allerdings im Norden besser, hier wird sich nach dem Durchgang einer Front eine Nordströmung durchsetzen. Um uns in eine strategisch gute Ausgangslage zu bringen, entscheiden wir uns für eine Nachtfahrt nach Mariehamn. Im Zwei-Stunden Rhythmus rotiert das Wachsystem zwischen Rudergänger, Navigator und Ausguck. Mit dem letzten Büchsenlicht biegen wir in das befeuerte Fahrwasser ein, das uns in die Hauptstadt der Aland Inseln und den Heimathafen der Pommern führt. Bei Sonnenschein und unter Segeln gleiten wir am nächsten Tag an der gut erhaltenen Viermastbark aus der Reihe der Flying P-Liner vorbei. Kaum haben wir im Yachthafen fest gemacht, ist die angekündigte Front da. Der Himmel zieht sich zu, es beginnt zu regnen, der Wind orgelt in den Wanten und wir stellen uns auf einen Hafentag ein.

Die Wetterlage hat sich in den letzten Tagen zu unseren Gunsten verändert. Über Skandinavien setzt sich eine Hochdrucklage durch, die uns für die nächsten drei Tage konstanten Nordwind beschert. Wir verlassen Mariehamn und queren den Ausgang des Bottnischen Meerbusens Richtung Schweden. Hier tauchen wir in den nord-östlich von Stockholm liegenden Schärengarten ein, den wir nach einer nächtlichen Duschsteuerung bei Nynäshamn mit südlichem Kurs wieder verlassen.

Unter Großsegel und ausgebaumter Genua ziehen wir bei raumen Wind und steiler Ostseewelle die schwedische Küste entlang. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir den Kalmar Sund. Erneut navigieren wir uns bei Nacht mit Richtfeuern und Kardinalstonnen zwischen Untiefen hindurch. Wir kommen gut voran. Mit Passieren der Karlskrona vorgelagerten Schären dreht der Wind auf NO und nimmt auf stürmischen Starkwind zu. Wir lassen unser ursprüngliches Etappenziel Ystad fallen und laufen nach NW ab. Wie gut, dass hier die Insel Hanö liegt, in deren Leeabdeckung wir sicher den kleinen Yacht- und Fährhafen ansteuern können. Ganz unverhofft entdecken wir hier ein Naturidyll, das neben herbstlicher Vegetation und freilaufendem Rotwild auch den lichtstärksten Leuchtturm der Ostsee beherbergt.

Der Wettergott ist uns weiterhin wohlgesonnen. In den nächsten drei Tagen segeln wir von Hanö nach Ystad, ziehen von dort angesichts der Abendsonne vorbei an den Kreidefelsen von Mön. Die Einfahrt in den Grönsund erfordert in der Dunkelheit bei engem Fahrwasser und unbeleuchteten Tonnen aufmerksame Navigation und präzises Einhalten der Richtfeuer bis wir in Stubbeköbing festmachen. Am frühen Morgen geht’s weiter, in tiefer Dunkelheit durch Smalandsfahrwasser im Morgengrauen in den Großen Belt. Wir passieren die Südspitze von Langeland und steuern Kiel an, das wir bei Einbruch der Dunkelheit und Starkregen erreichen. Triefnass kehren wir im Restaurant Fördeblick ein und freuen uns über ein warmes Abendessen.

Die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal ist beschaulich und dank der Tankstelle bei Rendsburg auch kraftstofftechnisch kein Problem. Wir erreichen Brunsbüttel mit dem letzten Tageslicht und nehmen am nächsten Morgen um 9 Uhr die Schleuse. SW 4-6 Bft. mit steifen Starkwindböen beschert uns eine schnelle aber auch sehr nasse und sportliche Elbfahrt. Der Gezeitenstrom puscht uns mit über 10 kn über Grund dem Tor der Welt entgegen. Auch der letzte Segeltag erfordert gute Steuerleistungen, ständige Wachsamkeit und zuverlässige Seemannschaft. Am Burchardkai, einem der modernsten Container-Terminals der Welt, bergen wir die Segel und steuern unter Motor Richtung City-Sporthafen bei den Landungsbrücken. Am roten Feuerschiff werden wir von Freunden mit Sekt, Schokoladenkuchen und Matjes-Brötchen empfangen.

Dieser charismatische Empfang nach großen Reisen hat seit vielen Jahren Tradition – es ist schön wieder zu Hause zu sein!

 

Segeln 2013 in SkandinavienDie Metropolen Skandinaviens

In Skandinavien ist die Segelsaison vorüber, die Hafenkontore sind geschlossen. Meist hat nur noch der Krämerladen offen. Organisationstalent ist gefragt, um an frische Brötchen oder den Duschcode zu gelangen. Dafür haben wir die Schären für uns alleine. Bei herrlichem Sonnenschein navigieren wir durch die karge aber doch vielseitige Steinlandschaft. Leuchttürme, Fahrwassertonnen, Spieren und Steinhaufen sind auszumachen und ins richtige Verhältnis zu setzen, um sicher ans Ziel zu gelangen.

Städtchen wie Hunnebostrand oder Marstrand, die im Sommer fast überlaufen sind, liegen jetzt ruhig in der warmen Herbstsonne. In den Straßen trifft man kaum noch jemand. Ein Katze streunt über den Dorfplatz, der Hofhund liegt faul in der Sonne und spitz nicht mal die Ohren, als wir vorbei kommen.

Im Herbst spielt sich das Leben in den Metropolen ab. Oslo, Kopenhagen, Stockholm - hier spielt die Musik, zumal die letzten schönen Sonntage die Menschen auf die Straße treiben.

In Oslo liegen wir in der Akker Bryggen, direkt an der modern gestalteten Waterfront. Das Quartier strotzt vor Lebendigkeit, die Ausgehmöglichkeiten sind nicht zu zählen, ein Restaurant schöner als das andere. Am Wochenende füllt sich der Hafen mit Motorbooten, es wird ausgelassen getrunken und gefeiert. Wir sind fast froh, als wir am Sonntag morgen wieder in die Ruhe des Oslofjords eintauchen.

Der alte Stadthafen von Kopenhagen empfängt uns bei herrlichem Sonnenschein. Vor der bunten Häuserzeile des Nyhaven herrscht lebendiges Treiben. Überhaupt, die ganze Stadt scheint auf dem Beinen und in Straßencafés den Freitagnachmittag ausklingen zu lassen. In den Kanälen fahren Ausflugsschiffe mit Touristen, auf den Fahrradwegen radeln hübsche Däninnen formvollendet - ob in Jeans und Turnschuhen oder im Abendkleid und High-Heels.

Unser Weg gen Stockholm führt wieder durch den Schärengarten. Je näher wir der Metropole kommen, desto größer werden die Häuser, die die Fjorde und Kanäle säumen. Villen mit privatem Schiffsanleger, Bootshaus und Motorboot gehen im Stadtgebiet in prunkvolle Großbauten, reich verzierte Kirchen sowie große Jungendstil-Stadthäuser über. Der Stadtkern erstreckt sich über mehrere Inseln, die mit Brücken verbunden sind. Wir liegen zwischen Tivoli und Wasa-Museeum im Wasa Hamnen auf der Insel Djurgarden. Mit der Fähre setzten wir nach Östermalm über und tauche in das schwedische Stadtleben ein.

 

Segeln 2013Plan C ...

Wir befinden uns nahe am Kern des Hochs, das langsam nach Osten zieht und uns süd-westliche Winde bringt. Das Wetterfenster scheint günstig die Nordsee diagonal zu queren und den Kurs nach Mandal an die Südküste Norwegens abzusetzen. Doch wenn man genau hinschaut sieht man, dass vom Atlantik ein Sturmtief heran rauscht, das zum Wochenende die gesamte Nordsee und den Skagerrak erfasst. Bei einer angenommenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 6 kn über Grund und einer Distanz von rund 420 sm wird klar, dass wir Norwegen vor dem Tief nicht erreichen können.

35 Knoten Wind im Skagerak - nicht gerade verlockende Aussichten!

Die Suche nach Alternativen beginnt. Wir könnten den Kurs nach Thyboron absetzen. Die 360 Seemeilen wäre zu schaffen. Das Anlaufen der Westküste Dänemarks ist bei nordwestlichem Wind auf Grund der vorgelagerten Sänden und der Legerwallsituation jedoch sehr gefährlich. Also auch keine zufriedenstellende Lösung.

Immer wieder schauen wir auf die Karte und lassen das Wettergeschehen der nächsten Tage auf dem Bildschirm durchlaufen. Unwohlsein macht sich breit. Doch irgendwann macht es Klick! Wer sagt, dass wir über die Nordsee in den Skagerrak und weiter nach Oslo müssen? Wir könnten auch über Helgoland und die Elbmündung nach Brunsbüttel, durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Kiel, durch den Kleinen Belt nach Norden, weiter nach Skagen und entlang der westschwedischen Scheren in die Oslo-Fjord.

Je länger wir darüber nachdenken, desto besser gefällt uns die Variante. Zumal auch der Wettergott auf dieser Route mit uns ist. Und es war die Idee von Chefine :)

Gesagt getan! Für die 260 sm nach Helgoland haben wir 42 Stunden gebraucht. Mit der gestrigen Flutwelle sind wir bei frischem achterlichen Wind mit über 10 Knoten in die Elbmündung gesegelt und haben kurz vor Mitternacht die Schleuse in Brunsbüttel genommen. Seit 6 Uhr morgens motoren wir durch den NOK und haben gerade Kilometer 93,5 passiert. Ostsee wir kommen!

 

Segeln 2013Mit dem Strom

Von Plymouth segeln wir unter Spinnaker 25 sm nach Salcombe, einem pittoresk gelegenen Städtchen in einer Flussmündung. Die Bucht ist gesäumt von hellem Sandstrand. Am Ufer stehen Villen mit südlichem Flair und Gärten, deren Palmen-Vegetation dem milden Klima des Golfstroms Tribut zollt.

Bei herrlichem Sonnenschein und einer leichten Brise scheint hier zu Feierabend alles auf dem Wasser zu sein, was Beine hat. In einer Jolle zählen wir acht Personen plus einen Hund. Alle lassen sich sichtlich vergnügt den Wind um die Nase wehen.

Der Hafenmeister kommt uns in einem Dingi entgegen und weist uns eine Mooring am Fahrwasser-Rand zu. Hier hängen wir mit unseren 15 Tonnen und zerren bei 1,5 kn Strom doch ganz beachtlich an der Verankerung. Die Bratpfanne des Abendessens lassen wir an einer Schot ins Wasser und nutzen den Strom als Spülmaschine.

In der kommenden Woche bestimmt die Gezeit unsere Zeit. Wir starten bei Niedrigwasser, fahren 6 Stunden mit dem Strom und machen fest, bevor das Wasser wieder in entgegengesetzter Richtung in den Atlantik fließt. So hangeln wir uns nach der Querung des Englischen Kanals von der Insel Alderney über das Cap de la Hague die Küste der Normandie entlang. Wir genießen das Flair und die Küche der französischen Hafenstädte: Baguette, Jeanette, Cigarette…

In Boulogne-Sur-Mer genehmigen wir uns ein letztes Festmahl aus Gänseleberpastete, Meeresfrüchten und Café Gourmand, bevor wir den Kanal bei frischem Wind in Richtung Dover queren. Ab hier unterliegen wir dem Gezeiteneinfluss der Nordsee, d.h. wir starten bei Hochwasser und segeln mit ablaufendem Strom Richtung Norden. Der Wind weht uns mal wieder auf die Nase. Die Tiede läuft früh. Auf der Kreuz arbeiten wir uns an drei Vormittagen von Ramsgate über Harwich nach Lowstoft vor. Die kleinen englischen Hafenstädte im Süden der Ostküste haben ihren Reiz: Alte Häuserzeilen säumen die Stadthäfen, verwinkelte Gassen führen durch gut erhalten Altstädte und auf den Seebrücken tummeln sich Einheimische, die den Sommer genießen.

 

Segeln 2013Das Rolex Fastnet Race ...

.. war von langer Hand auf der SY Charisma vorbereitet. Um die Anforderungen vom Royal Ocean Racing Club zu erfüllen musste im Vorfelde der Hochseeregatta einiges bewältigt werden, um überhaupt zum Start zugelassen zu werden. Als Qualifikation wurde das im Rahmen der Nordseewoche stattfindende Race von Helgoland nach Edinburgh gewertet. Desweiteren musste jedes Crewmitglied Nachweis über einen qualifizierten seglerischen Lebenslauf erbringen. Die Crew der SY Charisma bestand beim Fastnet Race 2013 ausschließlich aus charakterstarken Seglern, die sich bei den Seeregatten auf der SY Dantés bei der Nordseewoche, des Fastnet Races und der Atlantic Rally for Cruisers in der Saison 2011 sowie beim diesjährigen Edinburgh-Race sowie beim HSH Nordbank Blue Race 2007 bewährt hatten.

Die SY Charisma lag nach ihren Sommertörns rund um die Britischen Inseln zur Vorbereitung des Fastnet Races in den Häfen von Ramsgate und Dover.

Am 7. August 2013 reiste die Crew aus Deutschland, Österreich und Ungarn an. In ausführlichen Schiffseinweisungen und Team-Besprechungen stellten wir uns auf die bevorstehenden Ereignisse ein.
Am 8. und 9. August 2013 führten wir auf den Seeetappen von Dover über Newhaven nach Portsmouth Harbour ein handfestes Segel-, Sicherheits- und Starkwindtraining durch. MOB-Sicherheitsmanöver, Spinnakersegeln, Starkwindsegeln mit Vorsegelwechsel – der Englische Kanal fuhr in den beiden Tagen eine reichhaltige Palette des Seewetters auf, die das exzellente Seeverhalten der Swan ein weiteres Mal unter Beweis stellte.
Am 10. August 2013 trafen wir in Cowes ein, machten an einem Liegeplatz in der East Cowes Marina fest und erhielten vom RORC die Startunterlagen. Am Nachmittag fand das Skipperbriefing von der Regattaleitung statt. Im Anschluss informierte ich die Crew bei einem angenehmen Hors d’oevre an Bord der SY Charisma, bevor wir uns als Crew auf das Regattagetümmel an Land beim Cowes Yacht Haven einließen.

Das Rolex Fastnet Race 2013 verzeichnete ein Startfeld von der Rekordzahl von 380 Yachten. Der Zeitkorrekturwert der SY Charisma wurde mit 1.037 veranschlagt, das bedeutete Start in der Gruppe IRC 3 mit Startzeit 12h50 BST (British Summertime). Der Wind wehte mit W-SW um 5 Beaufort frisch in den Solent hinein und forderte die teilnehmenden Regatten mit Kreuzschlägen im dichten Regattafeld, zunächst gegen die restliche auflaufende Tide, dann mit dem ablaufenden Gezeitenstrom. An den Needles komprimierte sich das Geschehen der Segelyachten, da in dem Startmodus bis auf wenige ganz schnelle Yachten zunächst die langsamen und dann in mehreren Starts folgend die schnelleren Yachten gestartet sind. Man besteht diese Situationen nur mit extrem wachsamer Schiffsführung und zuverlässiger Seemannschaft. Profis und Amateure – es sind alles ambitionierte Segler, die diese anspruchsvolle Hochseeregatta auf sich nehmen.

Mit dem Hineinsegeln in den Englischen Kanal verteilte sich das Feld – zum einen aufgrund des unterschiedlichen Geschwindigkeitspotentials, zum anderen wegen der unterschiedlichen Taktik. Das Gros des regattaerfahrenen Feldes entschied sich mit Kreuzschlägen unter Land ihren Vorteil zu nutzen, wir vertrauten dagegen auf unsere Tideninformationen, die wir glaubten besser im Englischen Kanal zu nutzen. Diese Entscheidung basierte zudem auf meinen Erfahrungsschatz vieler Segeltörns in diesem Revier.

Im Verlauf des Fastnet Races mussten wir jedoch feststellen, dass die Varianten dicht an der Küste zu segeln den meisten anderen Regattayachten Vorteile gebracht haben – viele Yachten zogen uns davon. An der sehr zuverlässigen Seemannschaft und vor allem sehr aufmerksamen Steuerleistungen meiner bewährten Crew lag es jedenfalls nicht, dass wir den Anschluss an das Hauptfeld nicht halten konnten. Es lag an meiner taktischen Entscheidung, die nach vielen Fachgesprächen mit der Crew gleichwohl für unsere Zwecke gut begründet war. Mit der vergleichsweisen schweren Yacht wollte ich viele Kreuzschläge vermeiden, um die Segeleigenschaften der Swan bestens zur Geltung kommen zu lassen. Die leichteren Schiffe, die zudem im ausgeräumten Zustand mit eingespielten Teams sehr flink durch den Wind gehen können, waren in diesen Situationen dicht an der Südküste von England da besser aufgestellt. Die Informationen des Seewetters haben wir wie gehabt über die US-Gribdaten bezogen, transferiert über unsere SSB-Funkanlage und via Pactor-Modem auf den Bord-Computer entschlüsselt.

Der Regattaverlauf lässt sich in der Analyse am besten anhand der Tidenintervalle darstellen. In der Springzeit bedeutet das, dass der mitlaufende Gezeitenstrom die dreifache Performance gegenüber der entgegengesetzten Tide bedeutet. Dabei stechen die strömungsrelevante Land-Huks von Portland Bill, Lizard Point und Landsend hervor. Am Morgen des 13. August 2013 passierten wir die Scilly Islands und nahmen Kurs Fastnet Rock durch die Keltische See. Dabei zwang uns ein annäherndes kleines Hoch zu einer Kurve von N über NW zu W, um den zunächst schwachen Wind zu nutzen. Im Verlauf des Abends zog bedrohliche Bewölkung auf, die jedoch zunächst etwas wenig Wind brachte. Wir wechselten das Vorsegel und waren dankbar für diese vorausschauende Entscheidung, denn nachts kam die Front um einiges härter, als angekündigt. Es lohnt sich auf das Wetter und auf die Natur zu achten – und nicht nur auf die vorhergesagten Werte der Rechenmodelle. Wir hatten mit Regenfronten und Starkwind in der Nacht volles Programm – eigentlich ‚unser‘ Wetter, gut ein paar Platzierungen nach vorne zu machen. In den Morgenstunden des 14. August 2013 beruhigte sich das Wettergeschehen, der Wind ließ wieder nach und die Südwestküste von Irland kam in Sicht. Wir wechselten erneut das Vorsegel auf die große Genua II und kreuzten dem Felsen entgegen.

Um 11h53 BST hatten wir die Peilung zum Fastnet Rock auf 180° und sandten unsere Position zum RORC. Durch ein atlantisches Frontensystem stabilisierte sich die Wetterlage auf frischen SW-Wind, den wir nach Passieren der Pantaenius-Boje optimal für uns nutzten. Die SY Charisma jagte mit Rumpfgeschwindigkeit, exzellenten Seeverhalten der Swan und ausgezeichneten Steuerleistungen der Crew durch die Keltische See den Scilly Islands entgegen. Wir passierten das Archipel in den sonnendurchfluteten Morgenstunden des 15. August 2013, begleitet durch Delphine, die Freude an der rasenden Geschwindigkeit hatten. Mit abfallendem Kurs setzten wir den Spinnaker und segelten in den Englischen Kanal. Am Nachmittag passierten wir Lizard Point und segelten dem Ziel des Fastnet Races entgegen.

Um 22h34 BST passieren wir nach 105 Stunden und 44 Minuten nach 650 Seemeilen die Ziellinie. Die Schnittgeschwindigkeit von 6,1 kn entspricht der Leistung bei den Transatlantikregatten von West nach Ost – eine der renommiertesten Hochseeregatten der Welt ist auf der SY Charisma bewältigt.

Herzlichen Glückwunsch an meine sehr zuverlässige Fastnet-Crew, die zu jeder Zeit in bester Kameradschaft sehr gute Seemannschaft bewiesen hat!

 

Segeln 2013Rolex Fastnet Race - wir kommen....

REMUS, das Online-Meldesystem des Royal Ocean Racing Clubs zeigt für die SY Charisma einen großen grünen Haken. Der Safety-Inspektor kam an Bord und war von der MOB-Taste über die neuen Streckgurte bis zum AIS mit allem sehr zufrieden. Jedes Crewmitglied erfüllt die hohen Anforderungen des Renn-Komitees. Wir dürfen am 11. August starten!

Heute heißt es aber erstmal groß Reinschiff machen vor dem großen Rennen. Die Sonne scheint, kein Wölkchen ist am Himmel - was sollte man da anderes tun als Segel lüften. Wenn man erstmal anfängt, kommt einem so einiges unter die Finger, was ebenfalls gelüftet werden sollte.

Ein Blick in die Vorrat-Schaps offenbart neben noch durchaus brauchbaren Komponenten ein Kilo Corned-Beef! Was machen wir denn damit? Am besten wieder einstauen und als Reserve für besonders schlechte Zeiten aufbewahren. Vielleicht sind wir mal froh dran.

Die im Süßigkeiten-Schap aufgetauchten Ostereier habe ich direkt vor Ort verspeist - mit denen haben wir keine Last mehr.

Der Kapitän hatte derweil ein Rendez-vous mit einer Niro-Schraube in der Backskiste. Sie hat sich in Alu festgefressen und den Zugang zur Gasflasche versperrt. Nach zwei Stunden hat er sie rum gekriegt und den Zwischenboden losgeeist.

Die Bodenbretter mussten auch mal durch die Waschstraße - 18 x Spüli verteilen, Vorwäsche, schrubben, abspülen, luft-trocknen.

Mittlerweile liegt die Charisma frisch duftend im Hafen von Ramsgate und wir sind auf dem Weg zur Dusche...

 

Segeln 2013Vom Frühjahr bis zum Sommer...

Die Segelsaison startete im März mit den bewährten Schwerwettertrainings auf der Nordsee. Die Vielseitigkeit dieser Segeltrainings lässt viele Crewmitglieder wieder kommen, die ihre Erfahrungen auffrischen und erweitern wollen. Das Gezeitenrevier in den Küstenregionen der Deutschen Bucht mit ihren Flussmündungen von Elbe, Weser und Jade sowie das Wattenmeer vor den Friesischen Inseln sind anspruchsvolle Seegebiete, die nur mit einem guten Verständnis des Seewetters und akkurater Navigation gepaart mit guter Seemannschaft befahren werden sollten.

Schwerwettertraining
Die Gezeit bestimmt die Zeit des Seefahrers im Tidenrevier. Entsprechend früh legen wir ab und kommen früh an, oder legen spät ab und kommen spät an – oder aber – wir legen früh ab und kommen spät an, und könnten noch später bzw. im nächsten Intervall wieder früh ankommen. Klingt etwas kompliziert, ist aber doch ganz einfach, wenn man die Kräfteverhältnisse der Natur versteht. Im Resultat hatten wir Schwerwettertrainings rund um Helgoland, die wir in ihrer Vielfalt von Schnee und Eis, Boje-über-Bord Sicherheitstrainings bei stürmischem Wind, Spinnakertraining in allen Varianten bis hin zur nächtlichen Nebelfahrt in voller Intensität des Flutstroms in der Elbmündung bewältigt haben. Ohne den Top-Einsatz der Crew, die ihrem Skipper vertraut ist dieses nicht möglich – daher geht mein Dank als Schiffsführer an das jeweilige engagierte Team.

Nordseewoche
Diese Schwerwettertrainings waren somit auch bestes Trainingslager für die Nordseewoche 2013, die mit ihrem Klassiker von Helgoland nach Edinburgh in die Geschichte der deutschen Hochseeregatten eingehen wird. Die Wetterlage war sehr schwierig – erst kein Wind, dann einsetzender Sturm, der bis auf die beiden schnellsten Yachten alle Regatta-Teilnehmer beutelte. Von 26 gemeldeten Yachten traten 21 an, von denen 16 aufgegeben haben und nur 5 ins Ziel gekommen sind. Wir segelten auf der SY Charisma als einzige Yacht einen Kurs, der im wetterstrategischen Sinne uns am vernünftigsten erschien – durch den Kern des Sturmtiefs, um auf der Rückseite mit Raumschotkurs, dem Ziel entgegen zu segeln. Auch in diesem Fall geht mein Dank an das Team, dass sich durch Unwägbarkeiten durch nichts hat abbringen lassen und mit Charakterstärke, Disziplin, Durchhaltewillen und sehr zuverlässiger Seemannschaft zum Erfolg der SY Charisma mit Zieldurchlauf beim Royal Forth Yacht Club beigetragen hat. Diese Dokumentation findet sich ebenso wie die der Schwerwettertrainings unter der Rubrik Logbuch auf der Webseite der charisma4sea.

Rund um die Britischen Inseln
Nach einer einwöchigen Pause, die der Regeneration und fachlichen Aufarbeitung diente begann ein Quartett an Sommer-Segeltörns, die alles beinhalteten, was das Segler-Herz begehrt. Die Route führte mit wechselnden Crews Rund Schottland, über Irlands Westküste in die Keltische See bis Wales, Cornwall und den Scilly Islands entlang der Südküste Englands bis Portsmouth Harbour, von dort zu den Kanalinseln mit weiterem Kurs entlang der Normandie in die Seine-Mündung bis in die Straße von Dover. Diese Vielseitigkeit des Segelns mit Entscheidungen, die auf Wetter- und Naturverständnis sowie der klugen Auswertung der Seewetter-Informationen basieren macht den nautischen Reiz dieser Segeltörns aus. Aber auch in diesem Fall geht dieses nur mit Crewmitgliedern, die Charisma leben und somit danke ich auch hier jedem engagierten Crewmitglied zum Beitrag des Gelingens.

Das älteste Crewmitglied war 84 Jahre, das Jüngste 14. Das ist eine tolle Bandbreite von drei Generationen – das ist nur mit Toleranz und sozialer Kompetenz machbar – und eben für alle eine Riesen-Bereicherung – das Charisma des Segelns...

 

Lust auf Segeln? Kommen Sie an Bord unserer Nautor's Swan und segeln Sie unter der fachlichen Anleitung von Profi-Skipper Constantin Claviez.
Segelreviere: Nordsee, Ostsee, Englischer Kanal, Atlantik, Keltische See, Irminger See, Nordmeer, Karibik und Ostküste USA.
Unser besonderes Highlight: Schwerwettertraining auf der Nordsee.