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News von Bord - Nordlandreise 2010 | charisma4sea

HustadtviakKurs Heimat-Hafen...

Dem Herbststurm geht die Puste aus. Die letzte Front zieht durch und mit dem Nachlassen des Regens öffnet sich das lang ersehnte Wetterfenster. Einzelnen Böen fegen noch durch den Hafen als wir im Schein der Deckstrahler das Try-Segel, die Kutter-Fock und die Genua 3 abschlagen, zusammenlegen und verstauen. Kurz vor Mitternacht heißt es "Leinen los..."

Der große Wind hat seine Spuren hinterlassen - die Wolkenbänder der letzten Tage sind wie weggeblasen. Ein sternenklarer Himmel funkelt uns an und mit Verlassen des Hafens kommen uns riesige Wellenbergen entgegen. Die Fahrt gleicht einem Rodeo-Ritt, bis wir außerhalb des Scheerengartens die Segel setzen können.

In einem überlappenden Wachsystem arbeiten wir uns mit Kreuzschlägen an der südnorwegischen Küste entlang. Als der Wind auf Ost-Süd-Ost dreht, haben wir Hoch-Am-Wind Anliegerkurs Richtung Horns Reff. Nachdem wir das Flach vor der Südküste Dänemarks passiert haben, frischt der Wind langsam auf. Mit Einbruch der Dunkelheit binden wir präventif das 3. Reff ein. Kurz Zeit später habe wir mit 30 kn bereits vollen Starkwind. Überkommenden Seen klatschen auf das Deck und lassen kein Ölzeug trocken. Unsere Nautor's Swan zeigt sich im Gegensatz zu mir wenig beeindruckt. Sie legt sich auf die Seite und bahnt sich unbeirrt ihren Weg durch die tosende See.

Mit über 8 kn jagen wir bei völliger Finsternis über die Nordsee. Nach 56 Stunden auf See erreichen wir mit Sonnenaufgang die Elbmündung. Westlich des Großen Vogelsands biegen wir in das Hauptfahrwasser ein und sehen am Horizont eine Armada großer Frachtschiffe aufkommen. Auch sie warten auf das Einsetzten der Flutwelle, um mit dem Strom Richtung Hamburg zu reisen. Außerhalb des Tonnenstrichs bestaunen wir die Ozeanriesen wie sie uns in voller Fahrt passieren.Trotz Wind-gegen-Strom ist der Seegang moderat und auch wir kommen gut voran. Mit bis zu 10 kn ziehen wir an Cuxhaven, Brunsbüttel und Glückstadt vorbei.

Der Kreis schließt sich - die große Nordlandreise geht dem Ende zu. Auf der Südtangente des Elbverlaufs rollen wir bei strahlendem Sonnenschein ein letztes mal die Genua aus. Mit Hochwasser erreichen wir die Innenstadt von Hamburg: Die Fischauktionshalle, der Michel und die Kehr-Wieder-Spitze kommen in Sicht. Im City-Sporthafen werden wir von unseren charismatischen Segelfreunden auf's herzlichste empfangen. Dankbar über das glückliche Wiedersehen fallen wir uns freudig in die Arme.

Wir sind wieder zu Hause!

 

 

HustadtviakAuf der Zielgeraden eingeweht

Nach einer Woche Spinnakersegeln und einem sonnigen Besuch in der Hansestadt Bergen haben wir nun Schwerwettertraining pur. Schon seit Tagen verheißt die Vorhersage für die Nordsee keine Wetteränderung. Ein umfassendes Sturmtief über dem Atlantik (960 HPa) wird durch ein Hoch über Skandinavien (1037 HPa) ausgebremst. Im Grenzbereich beider Druckgebilde komprimieren sich die Isobaren und führen zu giftigen nasskalten Süd-Ost Winden. Mit 7-8 Beaufort weht es uns direkt auf die Nase. Sturmwarnung wohin man schaut!

Ein weiteres Mal überzeugt die SY Dantés als seegängiges Schiff. Unter Try-Segel und Kutterfock haben wir uns gestern gegen stürmischen Wind und Salzwasserduschen nach Tananger vorgearbeitet. Hier ist jedoch erstmal Endstation.

Wie wir es auch drehen und wenden - bei der vorherrschenden Wetterlage kommen wir hier nicht weg. Zumindest nicht in die Richtung, in die wir wollen! Wir würden uns zwischen der Südküste Norwegens und der Nordwesthuk Dänemarks festkreuzen. Auch ein Ausweichen über den Skagerrak in die Ostsee führt lediglich in eine wettertechnische Sackgasse. Alleine nach Edinburgh und Richtung Nordpol hätten wir Anliegerkurs... Aber wer möchte da jetzt noch hin?

Nach 8.200 Seemeilen auf der Zielgeraden eingeweht!
Jetzt heißt es abwarten, um nicht zu sagen "Ruhe bewahren"...

Wir haben uns für den schützenden Hafen entschieden und machen einen Ausflug nach Stavanger. Das nächste Wetterfenster kommt bestimmt - dann nutzen wir das Geschwindigkeitspotential unserer Swan um mit direktem Kurs über die Nordsee gen Heimat zu jagen...


 

 

Hustadtviak100 Meilen unter Spinnaker

Eine spätsommerliche Hochdrucklage führt uns auf der Zielgeraden der großen Nordlandreise durch die Schären und Fjorde im Westen Norwegens. Auf unserem Weg von Trondheim in die Jugendstilstadt Alesund passieren wir das Seegebiet Hustadtvika. Sein Ruf eilt dem ca. 30 sm langen Küstenabschnitt voraus. Der Royal Cruising Club schreibt: "The area of the 13M NW-facing mainland past the meeting of Haroyfjord and Julsund is known as Hustadtvika and is considered one of the most dangerous stretches of coast in Norway."

Vor zwei Jahren wurden wir hier bei einer starken SW-Lage ordentlich durchgeschüttelt. Heute haben wir moderatere Bedingungen. Unter Spinnaker lassen wir unser ursprüngliches Etappenziel Kristiansund am späten Nachmittag an Backbord liegen und nutzen die Gunst der Stunde das offene Seegebiet mit einer Fahrt in die Nacht zu queren. Wir entscheiden uns für die innere Route, die zwischen dem Festland und den vorgelagerten Inseln hindurch führt. Die unregelmäßige Unterwassertopografie führt in diesem Küstenabschnitt zu Grundseen, die sich an zahlreichen Untiefen brechen und in meterhohen Wasserfontänen entladen.

Auf sicheren Tangenten kreuzen wir vor dem Wind in einem Zickzackkurs um die Kardinaltonnen. Es ist volle Aufmerksamkeit gefragt um im gleißenden Abendlicht alle relevanten Seezeichen zu identifizieren. Wir erleichtern uns das Handling der 210 qm großen Spinnakers, indem wir zeitweise beide Spinnakerbäume stehen lassen. Spätestens nach der fünften Schifte ist die Crew ein eingespieltes Team: Bullenstander lösen - Hol dicht die Großschot - Bullenstander umschäkeln - Rund Achtern - Fier auf die Großschot - Bullenstander dicht... So geht es mindestens ein dutzend mal. Unter Constantins Anleitung rauschen wir mit bis zu 9 Knoten an den Untiefenfeldern vorbei in die Nacht. Währenddessen sehen wir am Horizont eine andere Segelyacht, die unter Motor und gerefftem Vorsegel die äußere Passage nimmt.

Mit erreichen der Untiefentonne West, deren 9 Blitze wir schon von weitem wahrnehmen, bergen wir den Spinnaker. Die Ansteuerung unseres Zielhafens steht dem Geschwindigkeitsrausch der vergangenen Stunden in nichts nach. Im weißen Sektor des Leuchtfeuers nähern wir uns der Küsteneinfahrt. Auf einem schmalen Grad zwischen tosenden Untiefen und Leuchtturm tauchen wir wieder in die geschützte Schärenlandschaft ein. Gegen 23 Uhr machen wir an der Gästebrücke des kleinen Hafens Bud fest. Beim Auslaufen am nächsten Morgen sind wir voller Respekt als wir die schmale Trassen sehen, die wir gestern zwischen Leuchtfeuer und überspülten Felsformationen genommen haben. Ein Hoch auf die exakte Betonnung der Norweger und die navigatorischen Fähigkeiten unseres Skippers!

 

 

LofotenIm Kern des Tiefs

Um uns herum wirbelt ein kräftiges Sturmtief. Für die Seegebiete nördlich und südlich der Lofoten sind bis zu 35 Knoten Wind angesagt. Wir befinden uns im Kern des Tiefs, was uns für mehrere Tage moderate Winde aus östlicher Richtung beschert.

Auf unserer Fahrt durch die schroffen Inseln geben sich blauer Himmel, Sonnenschein und bedrohlich graue Wolkenformationen übergangslos die Klinke in die Hand. Zwischen den hohen Bergen komprimiert sich der Wind zu Fallböen und wir rauschen meist nur unter Genua die Fjordlandschaft entlang.

Viel ist hier oben auf  70° Nord zu dieser Jahreszeit nicht mehr los. Der kleinen Fischerort Henningsvaer mit seinen hölzernen Landungsstegen und Speichern ist wie ausgestorben. Auch den Nussfjord erleben wir mit den roten Fischerhütten und den gelben Landhandel-Gebäuden in gemächlicher Ruhe. Wir schlendern durch die Gassen und schauen den, zu wilden Fratzen verzogenen Stockfischköpfen in den Schlund. Die knöchernen Mumien baumeln gelangweilt im Wind.

Mit der Querung des Westfjords verlassen wir die Lofoten. Die launischen Ausläufer des Sturmtiefs bescheren uns einen wilden Ritt ans norwegische Festland. In der Abenddämmerung steuern wir das Leuchtfeuers Ternholmerne an und lassen den Anker im, der Küste vorgelagerten Schärengarten fallen.

Den Hurtigruten auf den Fersen passieren wir am nächsten Tage das Polarkreismonument auf 66° 30’ N. Die Sonne scheint und es herrschen spätsommerliche Temperaturen. Es gibt keinen Zweifel mehr, der mediterrane Süden ruft!


 

Spitzbergen RundAb in den Süden

Bei einer leichten Segelbrise und strahlendem Sonnenschein verlassen wir kurz vor Mitternacht den nördlichsten Ankerplatz unserer Reise. An Backbord zieht eine Nebelwalze auf, die uns in kürzester Zeit in dicke Watte hüllt. Mit stets einem Mann im Eisausguck nehmen wir bei leichten Winden Kurs Süd-Ost. Gegen Morgen schläft der Wind ein. Um unsere begrenzten Dieslvorräte (insgesaqmt 300 Liter) nicht zu stark anzugreifen, läuft die Maschine nur im unteren Drehzahlbereich. In Slow-Motion zieht die unberührte Küste Ost-Spitzbergens an uns vorbei, bis wir am frühen Nachmittag den weißen Leichtwind-Spinnaker setzen können. Unsere Segelerherzen schlagen höher: Seit langem ziehen wir wieder mit konstanten 7 Knoten unsere Bahn durchs Wasser.

Gegen 19 Uhr bergen wir den Spi und steuern unseren Ankerplatz im Norden der Insel Kiepertoeya an. Auf dem Herd brodelt das von Richard angeregte und von Peter und mir zu Ausführung gebrachte Rindergulasch. Der wohlige Geruch steigt nicht nur den hungrigen Seglern an Deck in die Nase. Auf den schwarzen Basaltsteinen am Ufer reckt ein Eisbär interessiert seine Schnauze in unsere Richtung. Wir scheinen nicht die einzigen zu sein, die sich auf ein schmackhaftes Abendessen freuen!

Nach einer Stunde gegenseitigen Beschnupperns hat der weiße Bär genug. Er dreht sich um und kehrt uns demonstrativ den Rücken zu. Zwischenzeitlich hat der Wind aus Norden aufgefrischt und wir müssen unseren ursprünglich angepeilten Ankerplatz aufgeben. Stattdessen fällt der Anker auf der Südseite der Insel. Einen Aufenthalt über das Abendessen hinaus lassen der zunehmende Wind und die hungrigen Augen eines weiteren Eisbären allerdings nicht zu. Hoch oben auf den Klippen steht er und späht neugierig zu uns hinunter.

Wir rollen die Genua aus und verabschieden uns. Constantin und ich übernehmen die erste Wacheinheit. Bei bis zu 28 kn Wind rauschen wir auf Raumschotkurs weiter Richtung Süden. Kurz nach 1 Uhr morgens taucht am Horizont eine Insel auf. Aus der Ferne erinnert sie mit ihrer Steilküste an die Kreidefelsen von Dover. In der Seekarte ist allerdings keine entsprechende Eintragung zu finden. Irgendwas stimmt hier nicht! Erneute Blicke durchs Fernglas bestätigen unsere Vermutung. Das ist keine Insel, das ist ein Mega-Eisberg! Wir passieren den Eisriesen in der Größe Helgolands mit respektablem Abstand und sehen ihn wenig später vor der Mitternachtssonne an Horizont verblassen. Nach einem über 6-stündigen Ritt durch die aufgewühlte See der Olgastreet erreichen wir am frühen Morgen unser Etappenziel. Im Schutz der Freemansunds fällt der Anker in seicht gekräuseltes Wasser. Wir fallen müde in die Kojen und träumen von hungrigen Eisbären und märchenhaft großen Eisbergen.

 

Spitzbergen RundNördlich von Nord, Teil II

Bei pottendickem Nebel verlassen wir um 3:00 Uhr morgens unseren Ankerplatz im Liefdefjord. Die Crew schläft noch seelig, während wir im Blindflug aus dem Woodfjord gen Norden motoren. Constantin und ich wechseln uns zwischen Steuerwache, Ausguck und Radarwache ab. Gegen 6 Uhr kommt das Bordleben in Schwung – Teekochen, Müsliessen, Wachablösung... Bei immer noch sehr diesiger Sicht steuern wir die Insel Moffen an. Von den dort ansässigen Walrössern ist erstmal nichts zu sehen, bis hinter uns ein Rudel auftaucht, das fotogen seine Hauerchen zeigt.

Wir ziehen weiter unsere Bahn Richtung Nord-Ost. Unser Ziel ist die Mündung der Hinloopenstreet, die zwischen Spitzbergen und Nordostland nach Süden führt. Die Sonne brennt vereinzelt Löcher in die Nebelschwaden, schafft es aber nicht sie restlos aufzulösen. Bei einer leichten Brise gleiten wir unter Segel durch das leicht gekräuselte Wasser. Ich sitze im Bugkorb und halte Eiswache. Außer dem Rauschen unserer Bugwelle ist nur das Pusten von Walen zu hören. Hier und da passieren wir in sicherem Abstand größere Eiscrawler, die wir im Vorfeld bereits auf dem Radarbild geortet haben. Als wir mit 80° 05’ N den nördlichsten Punkt unsere Reise erreichen, lichten sich die letzten Nebelschwaden und geben den Blick auf Verlegenhuken und den Eingang der Hinloopenstreet frei. Im Norden sehen wir vereinzelte Packeiscrawler in der Sonne funkeln.

Diese friedliche Stimmung wird nur durch das Auftauchen eines kleinen Motorboots am Horizont unterbrochen. Es flitzt mehrmals mit hoher Geschwindigkeit von der Küste zu den Eiscrawlern und wieder zurück. Nach einem Versuch unsererseits Funkkontakt aufzunehmen kommt das kugelige Gefährt mit 250 PS und Piratenflagge auf uns zu gerauscht. Was nun folgt macht jedem Agententhriller Ehre: Die Frontscheibe klappt auf und 3 schwarz gekleidete Männer mit Pistole am Gürtel klettern an Deck. Nach kurzem Überraschungsmoment nehmen wir die Konversation in Englisch auf. Die drei Norweger machen in einer Hütte an der Nordküste Urlaub und haben Spaß daran in James-Bond-Manier durchs Nordmeer zu düsen. Wir tauschen Wetter- und Eisinformationen aus und gehen dann beide wieder unserer Wege. 

Der Wind ist eingeschlafen und wir lassen auf 80° Nord bei 20 Meter Wassertiefe den Anker fallen. Wir wagen erste Angelversuche. Die Ausbeute ist allerdings wenig ergiebig und Richard kredenzt in der Pantry Kottlets in Pfeffer-Sahne-Sauce. Nach dem Essen genießen wir bei einem Ankerdrink den Anblick mehrere Wale, die bei Mitternachtssonne am Horizont vorbei ziehen.

 

EisbaerNördlich von Nord, Teil I

Unser Weg führt uns weiter entlang der Westküste Spitzbergens nach Norden. Bei unserer Ankunft in Fair Haven hat der Wind wieder auf Starkwind aufgefrischt. Wir entscheiden uns vor Anker zu gehen um bessere Wetterbedingungen abzuwarten. Der nächste Tag empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein und beschert uns mit dem Einlaufen in die Bucht Norsköyane ein einzigartiges Naturschauspiel.

Hier ist ein Wal gestrandet, von dessen Kadaver sich eine Gruppe Eisbären den Sommer über ernährt. Das erste Exemplar entdecken wir im Wasser. Der Eisbär streckt beim Abtauchen behände seine Hinterbeine in die Luft und bringt beim Auftauchen ein Stück Walflosse mit. Das Ding scheint ziemlich zäh zu sein und eher dem Vergnügen als der Nahrungsaufnahme zu dienen.

Wir nähern uns in Schleichfahrt einer Landzuge auf der sich 5 weitere Eisbären aufhalten. Auch sie tauchen abwechselnde nach dem Wahlkadaver, dösen auf den sonnengewärmten Steinen am Strand und gehen hin und wieder eine Runde schwimmen. Knapp 3 Stunden beobachten wir das kraftvolle Treiben der weißen Riesen, bevor wir unseren Weg gen Norden fortsetzen.

Wir runden die Nord-West Huk Spitzbergens und segeln bei herrlichem Wetter und einer leichten Brise ostwärts. Gegen Abend schläft der Wind ein. Das Auftauchen zweier Walrösser nehmen wir zum Anlass Feierabend zu machen.

Über Nacht lassen wir uns bei völliger Windstille in der Mündung des Woodfjords treiben. Am Morgen nehmen wir unsere Fahrt unter Motor wieder auf. Wir haben uns entschieden einen weiteren Tag im Norden zu bleiben um einen der imposantesten Gletscher Spitzbergens, den Monacobreen im Liefdefjord anzusteuern.

 

80 Grad NordNord-West 6-7, Schneefall, -2°C


Zum Auftakt des Spitzbergen Rund Törns hat es das erste Mal geschneit. Die Berge um Longyearbyen sind weiß gezuckert. Der Adventfjord ist in diesige Wolkenbänder gehüllt. Bei Schneeregen stapfe ich durch den aufgeweichten Schlammboden Richtung Hafen-Office. Eine letzte heiße Dusche scheint mir keine schlechte Idee, bevor wir uns 3 Wochen aus der Zivilisation gen Norden verabschieden. Laut Wettervorhersage weht es die nächsten Tage mit steifen Winden aus Nord-West, dazu Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Nach einem ausgiebigen Bord-Frühstück mit Heizungsuntermalung heißt es gegen 12 Uhr "Leinen los...". Die Crew ist gut gelaunt, ich bin gut eingepackt: 2 Lagen lange Unterwäsche, Flauschi-Strampelanzug, Henri Lloyd Midd-Layer, Fleece-Pulli, Ölzeug, 2 Mützen, 2 Paar Socken und Seestiefel. Als wir den Adventfjord verlassen gibt sich das Wetter etwas versöhnlich. Der Himmel reißt auf, die weißen Neuschneefelder glitzern im gleißenden Sonnenlicht um die Wette. Im Isfjord sind die Windverhältnisse noch moderat und wir ziehen teils unter Genua 2, teils unter Spinnacker gen Westen. Als wir das Kap Daumannsodden passieren ist es mit dem arktischen Segleridyll allerdings schlagartig vorbei. Der Wind weht frisch von vorn und wird in der Düse des Prins Karl Forland Sunds zusätzlich beschleunigt.

Um die geschützte Ankerbucht Eidembukta zu erreichen, bleibt nichts anderes als gegen den Wind und die aufkommende Welle anzumotoren. Bei eisigen Temperaturen und überkommenden Salzwasserduschen arbeiten sich Schiff und Crew tapfer Richtung Norden vor, bis um 20:30 Uhr der Anker fällt.

Wir sind nicht die einzigen, die hier bei der vorherrschenden Wetterlage Schutz suchen. Vor uns liegt die norwegische SY Baten, die wir die letzten Wochen schon einige male getroffen haben. Während der Wind bis zu 35 Knoten in den Wanten orgelt und selbst die geschützte Ankerbucht mit weißen Schaumkronen übersäht ist, tauschen wir über Funk Wetterinformationen aus. Wir sind uns einig: "This is the place to stay". Die nächsten 2 Tage heißt es Ruhe bewahren und abwarten. Nach über 48 Stunden vor Anker machen wir uns bei abflauendem Wind Richtung Ny-Alesund auf.

 

80 Grad Nord80° Nord - with greetings from Russia...


Nach 4 Tagen und Nächten auf See erreichen wir die Westküste Spitzbergens. Bei einer schönen Segelbrise kreuzen wir um die Nordspitze des Prinz Karl Forlands und rauschen mit 8 Knoten Fahrt in den Kongs Fjord hinein. Am frühen Abend des 21. Juli erreichen wir Ny-Alesund und machen längsseits an der SY Jonathan fest. Wir scheinen pünktlich zu Rushhour eingetroffen zu sein! Während unseres Anlege-Whiskey kommen 3 weitere Yachten rein. Der nördlichste Hafen der Welt ähnelt an diesem Abend einer Mittelmeer-Marina. Wie die Ölsardinen liegen wir im Päckchen...

Am nächsten Morgen werden wir über Lautsprecher mit einem musikuntermaltem "Welcome in Ny-Alesund..." geweckt. Ein verwirrter Blick aus dem Niedergang eröffnet uns die Sicht auf ein Kreuzfahrtschiff, das an der Außenmole liegt. Ein Eisbär tanzt bei strahlendem Sonnenschein die Gangway hinunter. Ihm folgt eine Herde von Touristen, die das kleine Forscherdorf für ein paar Stunden bevölkert. Wir entscheiden uns nach der langen Seeetappe für einen Ruhetag und beobachten weiterhin das geschäftige Treiben in Hafen. Kaum hat das Kreuzfahrer abgelegt macht das norwegische Versorgungsschiff MS Norbyörn fest. Lebensmittel sowie Baumaterial samt Schwerlastkran werden bis zum Abend hin abgeladen.

Nachdem wir unsere Wasser- und Dieselvorräte aufgetankt haben, brechen wir am nächsten Tag Richtung Magdalenen Fjord auf. Wir haben kaum 2 Meilen zwischen uns und den Hafen gebracht, als der Motor seine Dienste verweigert. Nach eingehender Inspektion und dem Zurateziehen sämtlicher an Bord befindlicher Motor-Literatur entscheiden wir uns schlussendlich doch zur Umkehren. Wir kreuzen bei vereinzelten leichten Brisenstrichen zurück nach Ny-Alesund. Mit Constantins Anleitung liefern wir unter Segeln ein 1A Anlegemanöver ab und bringen die 17 Tonnen der SY Dantés ganz 'smooth' an den Schwimmsteg.

Auf 78° Nord sind Motormechaniker spärlich gesäht. Wir nehmen Kontakt zur MS Norbyörn auf und bitten um Amtshilfe: "We have our own problems but we try to help you..." Am Nachmittag kommt der russischen Chief Ingenieur des Versorgungsschiffes zu uns an Bord. Er wirft einen fachmännischen Blick auf die Maschine und erkennt das Problem: Luft im System! With greetings from Russia summt unser Motor nach 10 Minuten wieder wie ein Bienchen.

Glücklich das Problem gelöst zu haben machen wir uns erneut Richtung Norden auf. Nach Zwischenstops im Magdalenen Fjord und der Kennedy Bukta überqueren wir  am 23. Juli die für viele Segler magische Grenze von 80° Nord...

 

Anlandung auf Jan MayenJan Mayen - mein Freund der Beerenberg...

Am morgen verlassen wir Grimsey bei einer schönen Segel-Brise. Wir haben uns für ein Einzel-Wachsystem entschieden um bei kleiner Crew genug Regenerationsphasen zu haben. Wir starten mit einem 2 Stundenrythmus: 2 Stunden Wache, 4 Stunden Freiwache. Constantin hält sich wachfrei um bei Bedarf einspringen zu können. Nach dem ersten Wachzyklus stellt sich eine angenehme Bordroutine ein. Wir ziehen bei leichtem Winden teils unter Motor teils unter Leichtwindspinnaker unsere Bahn durch das diesige Nordmeer. Nach 50 Stunden auf See erhebt sich aus dem dunstigen Horizont Jan Mayen (www.jan-mayen.no). Die Insel vulkanischen Ursprungs liegt 600 km Nördlich von Island und 950 km westlich von Norwegen und ragt über 2000 Meter aus dem Atlantik. Als wir die SW Spitze der Insel runden reißt der Himmel auf und eröffnet den Blick auf den alles dominierenden Hausvulkan - den Beernberg. Sein Ruf eilt ihm Voraus. Die letzten Jahre hat er der SY Charisma und ihrer Crew mit seinen launischen Wettereskapaden schwer zugesetzt. Heute strahlt er majestätische mit seinem weißen Gipfel vor blauem Himmel. Es scheint, als ob er kein Wässerchen trüben könnte.

Über Sattelitentelefon kündigen wir unsere Ankunft bei der norwegischen Inselverwaltung an. Die Genehmigung für einen 24-stündigen Aufenthalt haben wir bereits im Vorfeld eingeholt. Gegen 18 Uhr lassen wir den Anker an der Westküste in der Kvalrossbukta fallen. Unser Besuch wird über Funk bestätigt. Man erwartet uns am nächsten Tag 10 Uhr zu einem Inselrundgang am Strand.

Wir sind nicht alleine in der von der Atlantikdünung rollenden Ankerbucht. In etwas Entfernung liegt die Polar Bear - eine britische Segelyacht, die wir bereits aus Akureyri kennen. An Bord sind abenteuerlustige Bergsteiger, die den Beerenberg erklimmen wollen. Von weitem sehen wir unseren Nachbarn zu, wie sie in Ihren Überlebensanzügen beim Anlanden mit der Brandungswelle kämpfen.

Nach einem bewegten Abendessen, dessen Zubereitung einiges Geschick erforderte, fallen wir müde in die Kojen. Am nächsten Morgen hat sich die Dünung etwas beruhigt. Dei Bedingungen scheinen optimal zur Anlandung. Wir pumpen das Dingi auf und lassen den Außenborder warm laufen. Bis zum Strand sind es ca. 1,5 Kabellängen. Die letzten Meter reiten wir auf der Brandungswelle und werden an Land gespült. Wir werden von Ole Øiseth, dem Commander der Insel Willkommen geheißen. Das erste was ich beim Sprung aus dem Dingi von ihm sehe sind seine bis zu Knie geschnürten Gummistiefel, mit denen er in der Brandung unsere Leine annimmt. Die letzten Ausläufer der Welle bahnen sich gerade den Weg in meine Wanderschuhe....

Nach der Begutachtung eines Walskelettes aus früheren Zeiten fahren wir im Jeep über die Insel. Unser Ziel ist die Meteorologische Station, die von den Norwegern hier betrieben wird. Wir bekommen Kaffee und Kuchen und unterhalten uns in der Lounge mit den Mitarbeitern der Station. Wir scheinen eine willkommene Abwechslung zum Inselalltag zu sein. Nach einem Mittagessen und einem Einkaufsbummel im stationseigenen Shop werden wir wieder zu unserem Ankerplatz gefahren.

Die Brandungswelle hat sich weiter aufgebaut und wir haben alle mühe das Dingi ins Wasser und uns in das Dingi zu bekommen. Als das geschafft ist paddeln wir was das Zeug hält. Eine Welle bricht direkt vor uns und verpasst uns eine kalte Dusche. Frische Geschichte - das Eiswasser steht Knöchelhoch. Paddeln, paddeln, paddeln ... endlich springt der Außenborder an und wir manövrieren uns aus der Brandungszone. Nass aber zufrieden über unsere Anlandung erreichen wir die Dantés.

Die Wettervorhersage ist günstig für uns und wir verlassen gegen 14:00 Uhr UTC unseren Ankerplatz. Jetzt geht es entlang des Beerenbergs Kurs Nord-Ost Richtung Spitzbergen. Der Berg scheint uns diesmal wohlgesonnen. Ohne Eiswolke und Fallböen verabschiedet er uns bei Sonnenschein mit seiner schneebedeckten Gletscherspitze.
Langsam verblasst die Insel am Horizont. Vor uns liegen weitere 600 sm durch das Europäische Nordmeer...









 

Vogelbeobachtung auf Hrisey und GrimseyPapageientaucher und andere schräge Vögel...

Unsere erste Etappe Richtung Spitzbergen führt uns von Akureyri durch den Eyjafjördur 20 sm nach Norden auf die Insel Hrisey. Schon vor 2 Tagen haben wir zum Abschluss des Island-Törns hier einen kurzen Zwischenstopp eingelegt. Wir sind die Attraktion des Tages in dem beschaulichen Ort vor alpiner Bergkulisse. Die Einheimischen kommen mit den ganzen Familie auf Traktoren zur Pier gefahren um das fremde Segelschiff in Augenschein zu nehmen und uns Willkommen zu heißen. Wir nutzen unseren Aufenthalt für einen Inselrundgang auf dem Naturlehrpfad, der für sein außergewöhnlichen Vogelbeobachtungen bekannt ist. Neben Möwen und Seeschwalben bekommen wir mehrere Uferschnepfen vor die Linse, die sich meisterlich getarnt in der Heidelandschaft verstecken.

Unsere Vogelbeobachtungen gehen am nächsten Tag, nach einem weiteren Segelschlag von ca. 40 sm gen Norden, auf der Insel Grimsey weiter. Bei blauem Himmel und gleissendem Sonnenschein wandern wir die Steilküste entlang. Hunderte von Papageientaucher sitzen in den Felsen und gleiten auf der Suche nach Sandalen die Klippen hinunter. Bis auf wenige Meter können wir uns den Vögeln nähern und in Ihre wie Clowns geschminkten Gesichter blicken.

Die SY Dantés liegt am Rand des kleinen Inselhafens längseits an einem Fischkutter. Ein guter Platz um das abendliche Ballett der kleinen Fischerboote zu bestaunen. Kurzzeitig sind bis zu 10 Boote mit röhrendem Motor in der Warteschleife um Ihren Fang an der Pier abzuladen. Die Jungs an Land kommen mit dem Abtransport nicht hinterher. Dann macht es einen gehörigen 'Rumms'. Drei volle Container Fisch sind vornüber vom Gabelstapler gefallen und müssen nun von Hand wieder eingesammelt werden. Wir tun gut daran das Spektakel von Weitem zu beobachten und die Pier zum Wasserbunkern erst am nächsten morgen anzulaufen.

 

NordmeerSphären des Nordens...

Mit dem Nordmeertörn segeln wir die nächsten Tage nun noch weiter in die Sphären des Nordens.

Es wird in dieser Zeit außer den Schiffssicherheitstechnischen Belangen und rund um die Meteorologie und Nautik keine Kommunikation zur Außenwelt stattfinden. Wir tauchen ein in schönste Naturerlebnisse - betrachtet bitte also ‚keine Nachricht’ als ‚gute Nachricht’. Alle von Euch eingehenden E-Mails werden auf dem Server gespeichert und nach unserer Ankunft in Longyearbyen auf Spitzbergen ab Ende Juli wieder beantwortet.

Mit vielen Grüßen vom Polarkreis an all ‚Friends of Charisma’

Constantin

 

Mit Kutterfock und 3. Reff Der große Wind ...

Braucht jemand Wind? Wir hätten welchen abzugeben!

Die Schwaben-Crew mit schweizer Einschlag scheint ein Schnäppchen gemacht zu haben. Zum Island West Törn gibt es diesmal ein gratis Schwerwettertraining on top! Wir befinden uns nördlich der Zugbahn eines gigantischen Atlantiktiefs, das uns nordöstliche Winde bringt. Seit Mitte letzter Woche sind die Kutterfock und das Großsegel im 3. Reff unsere liebsten Begleiter. Bei starkem bis steifen Wind (6 -7 Beaufort) hangeln wir uns von Fjord zu Fjord. Die zahlreichen Kaps die wir dabei runden legen in Böen und an Welle noch eins drauf.

Unsere Nautor's Swan 48 S&S scheint wie gemacht für dieses Wetter. Ich hätte allerdings nichts gegen eine sattes Hochdruckgebiet mit moderaten Winden und Sonnenschein. Das bleibt allerdings vorerst Wunschdenken. Wir nutzen ein Wetterfenster von maximal 36 Stunden um die Nord-Huk von Island zu runden und Strecke nach Osten zu machen.
Bei unseren Kreuzschlägen streifen wir ganz nebenbei 3 mal den Polarkreis mit 66°33' N.

Seit gestern Mittag liegen wir gut vertäut im Hafen von Siglufjördur. Heut morgen kam wie vorhergesagt das nächste Mega-Tief angerollt. Seitdem orgelt es in den Wanten.

Bei 40 kn Wind entscheiden wir uns spontan für einen Hafentag. Der große Wind kann heute also machen was er will...

 

Patricia, Jean-Guy und Constantin beim KnotenübenDie kleine Knotenstunde...

Unter Spinnacker segeln wir dem westlichsten Punkt unserer Nordlandreise, dem Kap Bjartangar entgegen.

Beim Anschlagen des Niederholers an den Spinnackerbaum hat sich herausgestellt, dass Le Chef eine sehr eigenwillige Variante des Palstegs praktiziert. Daraufhin bittet Le Capitain zur Kleinen Knotenstunde.

Unter dem Motto Du musst den Knoten dominieren wird geübt was der Tampen hält. Über Kopf, hinter dem Rücken, mit geschlossenen Augen - der Palsteg muss in jeder Lebenslage sitzen.

Bis dahin scheint es allerdings ein weiter Weg. Der Knoten will nicht so, wie Jean-Guy will. Der Tampen macht nicht was er soll. Große Wuling nicht nur in den Leinen sondern auch in den Köpfen.

Der Übungserfolg stellt sich jedoch am nächsten Tag ein. Werner praktiziert beim Anlegen in Thingeyri an der Pierleiter hängend, bei stürmischen Fallböen einen einhändigen Palsteg.

Wenn das nicht eine Demonstration von Knotendominanz ist! Bravo!

 

Island WestViel neues im Westen...

Unsern Törn in den Westen von Island beginnen wir mit einem Landausflug. Der Geysir Strokkur lässt verlässlich alle 5 - 7 Minuten brühend heißes Wasser aus dem Boden schießen, während den Wasserfall Gulfoss gewaltige Wassermassen des Gletscherflusses Hvitá hinunterrauschen. In Pingvellir sind wir bei der Plattentektonik live dabei. Hier driften die amerikanische und eurasische Platte jährlich 2 cm auseinander.

Unser erster Segelschlag führt uns von Reykjavik nach Arnastapi an den Fuß des Snaefellsjökull. Beim Einlaufen in den kleinen Fischerhafen lassen wir einer französischen Yacht den Vortritt, die gleichzeitig mit uns eintrifft. So langsam sie in das Hafenbecken einläuft, so schnell ist sie wieder draußen. "Il n'y a pas assez de l'eau" bekommen wir als Antwort auf unsere fragenden Blicke.

Zu wenig Wasser? Wie kann das sein? Die Yacht hat bei ihrer Stippvisite jede Ecke des winzigen Hafenbeckens ausgefahren und ist offensichtlich nicht aufgelaufen. Selbst Jean-Guy, seines Zeichens "Le Chef" kann uns die Logik seiner französischen Landsleute nicht erklären. Wir haben jedenfalls 2,5 m Wasser unterm Kiel und machen somit guter Dinge an einem 6er Fischkutter-Päckchen als letztes Schiff in der Reihe fest.

Nach einem leckeren Abendessen an Bord geht es zu den Steilklippen um Seevögel zu beobachten. Auf dem Heimweg werden wir von ein paar Seeschwalben attackiert die sich in Ihrer Brut gestört fühlen. "Die Vögel" von Hitchcock lassen grüßen...

 

IslandEs raucht und brodelt ...

Unsere Überfahrt von den Färöer Inseln nach Island ist dank der exakten Wetterinformation von grib.us und der fachmännischen Interpretation durch Constantin planmäßig verlaufen. Einzig bei der westliche Ausfahrt aus den Färöer haben uns lokale Windeffekte überrascht und eine mehrstündige Rauschefahrt bei 6 Beaufort und 8 kn SOG beschert.

Ansonsten lief alles genau nach Plan: Mit dem Nordwind haben wir Strecke nach Westen gemacht. Mit der einsetzenden Westlage sind wir nach Norden abgebogen. Nach 41 Stunden, 300 Seemeilen und vor dem Durchziehen der angekündigten Kaltfront hieß es "Land in Sicht". Unser erster Hafen auf Island war Höfn im Süd-Osten der Insel.

Seither cruisen wir bei sommerlichen Temperaturen die Südküste Islands entlang. Mit dem Vatnajökull passieren wir den größten Gletscher Europas. Vom mittlerweile weltbekannten Vulkan Eyjafjallajökul ist außer schwarzem Feinstaub an Deck nichts zu Sehen oder zu Hören. Nichtsdestotrotz raucht und brodelt es hier ganz gehörig.

Auf unserem Weg nach Keflavik runden wir die Halbinsel Reykjanes - auch Rauchspitze genannt. Sie besteht aus riesigen Lavafeldern, die mit einer leichten Moosschicht überzogen sind. Wo sich die Erdwärme ihren Weg an die Oberfläche bahnt, qualmt es aus dem Boden.

Eins steht fest - Energieprobleme bekommen die Isländer so schnell nicht! Mit Geothermalkraftwerken nutzen sie der Erdwärme zur Stromerzeugung und Warmwassergewinnung. Auch wir kommen in den Genuss dieser Bodenschätze. Bei einem Bad in der Blauen Lagune und einer Mineralschlamm-Maske erholen wir uns von den Anstrengungen der letzten 3 Wochen.

 

Cape WrathKaps und andere große Steine ...

Ein Leuchtturm im gleissenden Sonnenlicht. Vereinzelte Wolken zeichnen Schatten auf die Steilküste. Wir segeln entlang der Westküste der Isle of Skye. Die Windverhältnisse wechseln heute schnell - von Flaute bis zum 3. Reff war schon alles drin. Als wir mit Cape Neist die westlichste Huk der Insel ansteuern, habe wir gerade mal wieder eine Leichtwindphase. In weiser Voraussicht binden wir aber schonmal das 1. Reff ein.

Je näher wir dem Kap kommen desto ungemütlicher wird es. Dem 2. Reff folgt das 3. Die Yacht wir von den kurzen steilen Wellen angehoben und rauscht mit rasanter Geschwindigkeit in bemerkenswerte Wellentäler. Wassermassen Waschen über das Deck und sorgen im Cockpit für satte Salzwasserduschen.

Der Wind lässt nicht locker. Böen bis zu 34 kn peitschen über die See. Immer neue Wellenberge kommen unerbittlich angerollt. Schiff und Crew sind sind im vollen Einsatz! Als wir den Leuchturm achterlicher als quer ab haben, holen wir uns mit zwei Kreuzschlägen die notwendige Höhe, um in die nächstgelegene Ankerbucht abzulaufen. In der Leeabdeckung der Küste lassen Welle und Wind schlagartig nach. Als ob nichts gewesen wäre, fällt bei leicht gekreuseltem Wasser der Anker. Das folgende Ankerbier haben wir uns redlich verdient!

Auf dem Weg zu den Orkney Islands passieren wir 2 Tage später mit Cape Wrath die Nord-West-Spitze Schottland's. Hier rollen ebenfalls beachtliche Wellenberge an. Wind ist allerdings fast keiner da - was die Sache nicht unbedingt besser macht. In alter See rollen und schaukeln wir hin und her. Nichts für schwache Mägen...

Schlussendlich schalten wir die Maschine an, um das Kap zu runden und Kurs N-NO einzuschlagen. Nach 10 Stunden erreichen wir mit Stromness die Hauptinsel der Orkney's. Wir genehmigen uns einen Hafentag und besuchen die Hauptstadt Kirkwall und mit den Standing Stones of Stenness das UNESCO Weltkulturerbe The Heart of Neolithic Orkney.

 

Loch TarbertGroßes Heulen und Zähneklappern...

In der Seekarte steht: Dangerous Tidals Streams
Die Clyde Cruising Association schreibt: Die vom Strom erzeugten Wellen sind immer höchst beängstigend; oft kommt es zum Brechen der schaumbesetzten Kämme. In ruhigem Wetter können die Wellen bei Flut eine Höhe von vier Metern erreichen und tosenden Lärm erzeugen...
Constantin sagt: Heute sind ideale Bedingungen durch den 'Gulf of Corryvreckan' zu segeln. Ich frage mich: Kann es für diesen strudelnden Hexenkessel überhaupt ideale Bedingungen geben?

Großes Heulen und Zähneklappern....aber der Skipper lässt sich nicht beirren!

Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir Ardfern. Auf frischem Am-Wind-Kurs binden wir in der Dorus More Passage das 1. 2. und dann das 3. Reff ein. Vor uns sehen wir zwei weitere Yachten, die ebenfalls den Sund ansteuern. Es scheint, als wären wir nicht die einzigen auf der Suche nach dem maximalen Strudel! Jeder von uns ist mit dem Live-Belt seiner Schwimmweste im Streckgurt an Steuerbord eingepickt. Wir sind gespannt: Was wird uns in der berüchtigten Meerenge zwischen den Inseln Scarba und Jura erwarten?

Wir halten auf die Süd-Ost Huk von Scarba zu. Die ersten Strudel beginnen. Der Strom versetzt uns nach Süden und drückt uns mit 6 kn durch den Sund. Wir machen 12 kn Fahrt über Grund!
In der Mitte des Gulf of Corryvreckan schläft der Wind plötzlich ein. Im 3. Reff gleiten wir gemächlich durch das sprudelnde Wasser, vorbei an rießigen tellerförmigen Eddies.

Wir schauen uns fragend an. War das schon alles? Wir hatten brechende Seen und tosende Wellen erwartet! Unser Skippy lag doch richtig mit den Idealen Bedingungen. Ausreffen ist angesagt...

Doch man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben! Der Gulf of Corryvreckan liegt schon weit hinter uns, als wir doch noch eins auf die Mütze bekommen. Bei Wind gegen Strom baut sich in der Hebriden See eine beachtliche Welle auf, die wir im 2. Reff abreiten. Bevor wir das 3. Reff einbinden entscheiden wir uns abzufallen und im Schutz der Insel Colonsay vor Anker zu gehen.

Als Belohnung für die strudelnden Erlebnisse gibt es zum Abedenessen frischen Hummer der mit uns in der Backskiste von Ardfern hier her gereist ist.

 

Loch TarbertAre you happy with your anchorage?

Mit Hochwasser verlassen wir Campbeltown gegen 10 Uhr. Für heute steht die Rundung des Mull of Kintyre auf dem Programm. Als wir vor 3 Tagen von Irland kamen hat das Cap seinem Ruf alle Ehre gemacht: "Mull of Kintyre - oh mist rolling in from the sea..."

Heute jedoch strahlt die Sonne vom Himmel. Wir lassen Sander Island Backbord liegen und steuern auf die Huk zu. Schon von weitem sehen wir weiße Schaumkämme auf dem Wasser tanzen. Der Wind  frischt auf. Wir binden das erste, dann das zweit Reff ein. Mit über 10 Knoten über Grund jagen wir Am Wind die Küste entlang. Vor dem Kap konzentriert sich der Gezeitenstrom. Die See um uns schäumt. Fallböen bis 30 kn kommen die Steilküste heruntergeschossen. Wellen waschen über das Deck. Es spritzt und tost. Im Gegensatz zur Besatzung lässt sich unsere Nautor's Swan davon nicht beeindrucken. Sie zieht unbeirrt ihr Bahn durch das aufgewühlte Wasser. Knapp eine Stunde dauert das Spektakel, dann lässt der Kap-Effekt nach und die See beruhigt sich.

Wir reffen aus und segeln in den Sound of Jura. Als Ankerplatz steuern wir Gigha Island an. Trotz Gegenstroms kommen wir so gut voran, dass wir uns für das etwas nord-östlich liegenden Loch Tarbert als Etappenziel entscheiden. Mit Blick auf einen schottischen Herrensitz lassen wir kurz hinter der zweiten Untiefenbake den Anker fallen.

Wir nehmen einen Ankerdrink, als ein Schotte im Dinghi Kurs auf uns nimmt und längsseits kommt. Are you happy with your anchorage?

Unser Besucher bietet uns seine private Mouring knapp 1 Meile weiter in der Bucht an. Obwohl wir mit unserem Ankerplatz recht zufrieden sind, nehmen wir die freundliche Einladung an. Vor einem idyllisch gelegenen Haus mit eigener Slipanlage machen wir neben der Katch an der zweiten Mouring fest.

Wir bedanken uns bei Andrew und seiner Frau Patricia für ihre Gastfreundschaft mit einem Glas Whisky an Bord. Die zwei genießen ihren Ruhestand an diesem bezaubernden Ort. Nächste Woche brechen Sie mit ihrer Yach zut einem kleinen Cruise auf die äußeren Hebriden auf. So lässt es sich Leben!

 

 

Start zur NordlandreiseJuppie, Fungi ...

Laut Reiseführer ist Fungi der Star von Dingle. Seit 1983 lebt der Delfin in der Dingle Bay und ist über die Jahre das Wahrzeichen des kleinen Städtchens geworden.

Entlang wilder Küstenformationen segeln wir bei gleissendem Sonnenschein durch die Bay. Segelfreude pur! Von Fungi jedoch keine Spur! Schon tun wir die Delfin-Storry als Touristen-Nepp ab, als kurz vor der ersten grünen Fahrwassertonne neben uns eine graue Rückenflosse auftaucht. Juppie! Fungi lebt! Kurze Zeit begleitet uns der Delfin bis er im Blau des Wassers wieder verschwindet.

Die Crew freut sich während Jean-Jacques die Yacht konzentriert durch das erste Tonnenpärchen steuert. Der Hafen von Dingel ist nur über einen ausgebaggerten Kanal erreichbar. Als wir beide Richtfeuerbaken Backbord quer ab in Deckpeilung haben schwenken wir nach Steuerbord ein. Rechts und Links des Fahrwassers steigt die Wassertiefe auf 20 cm! Der Steuermann visiert die Mitte des nächsten Tonnenpärchens an während wir achter aus überprüfen, ob die Richtbaken noch in Deckpeilung sind. Exakt in der Richtfeuerlinie erreichen wir den Hafen wo wir am Schwimmsteg festmachen. Es folgt ein leckers Abendessen im Restaurant Out of the Blue.

Über Nacht zieht eine Warmfront über uns hinweg. Dementsprechend präsentiert sich der nächste Morgen in grauem Nieselregen. Die Hafenzufahrt und vor allem die Richtfeuerbaken verschwinden im Nebel. Bei schlechter Sicht ist die Aussteuerung durch den Kanal nicht möglich. Wir warten. Gegen 11 Uhr klart es auf. Die Sicht ist jetzt gut aber wir haben absolutes Niedrigwasser.

Der Kanal ist auf 2.60 Meter ausgebaggert. Laut Mac Millen haben wir heute bei Mittzeit eine Niedrigwasserhöhe von knapp 90 cm. Wir rechnen:  Kartentiefe (2,60) + Höhe der Gezeit (0,90) - Tiefgang SY Dantés (2,42). Wir sollten also 1,08 Meter Wasser unterm Kiel haben. Der Hafenmeister bestätigt unsere Annahme.

Beim Passieren des ersten Tonnenpärchens sind alle Augen gespannt auf die Tiefenanzeige gerichtet. Wir haben richtig gerechnet! Im Kanal pendelt sich die Anzeig bei 1,1 Meter Wasser unterm Kiel ein.

Kurz bevor wir das Fahrwasser verlassen lässt sich Fungi nochmals blicken und gibt zum Abschied eines seiner Kunststücke zum Besten. Beim Auftauchen schlägt er mit der Schwanzflosse drei mal auf's Wasser und sagt Adieu...

 

Lust auf Segeln? Kommen Sie an Bord unserer Nautor's Swan und segeln Sie unter der fachlichen Anleitung von Profi-Skipper Constantin Claviez.
Segelreviere: Nordsee, Ostsee, Englischer Kanal, Atlantik, Keltische See, Irminger See, Nordmeer, Karibik und Ostküste USA.
Unser besonderes Highlight: Schwerwettertraining auf der Nordsee.