Unsere Erlebnisse

Land in Sicht

Aquarellskizze, Wolfram Claviez

Auftakt zur Altherrentour

Schiet l’amour – vive le courage!!! war ein Schlachtruf aus meiner Jugendzeit, als noch nicht Beat und Sex das Thema Nr. 1 der Heranwachsenden waren. Und dann stürzte man sich in Abenteuer, die Eltern erst geraume Zeit später erfahren durften.

Nun, das ist lange her. Inzwischen gehören wir zu den Jahrgängen, die den Klubs die „Alten Herren“ heißen. Und so haben wir in weiser Selbstbeschränkung in diesem Jahr eine Reise geplant, bar aller sportlichen Ambitionen, ganz und gar der Erholung und beschaulichem Dasein gewidmet. Wir sind ja auch eine herrliche Mannschaft. Der Käptn’n kann gut sehen, Smutje gut laufen, Stüermann gut singen. Ähnlich verteilen sich die anderen Qualitäten und so ergänzen wir uns prächtig.

Ganz gemäß unseren Vorstellungen begann die Reise. Brunsbüttelkoog erreichten wir sozusagen auf einem Bug, kein Ärger in der Schleuse, Kanalschlepp ohne Warten und bei herrlichem Sonnenschein –, und als am nächsten Tag Nordost mit Schmutz in der Kieler Förde blies, blieben wir getreu unseren Vorsätzen in Holtenau und besuchten Freunde.

Nun, wie lange man seinen Vorsätzen treu bleiben kann, das ist eine Sache für sich. Smutje hat von den in der Silvesternacht gefassten in der ersten Woche dieses Jahres keinen einzigen verwirklicht. Wem geht es schon viel anders.  Und wer etwa beim Segeln erwartet, dass man stets seinen Vorsätzen leben kann, der braucht bei uns gar nicht erst an Bord zu kommen. Im Übrigen ist Prinzipienreiterei ein der dümmsten menschlichen Eigenschaften und außerdem –, sind es nicht die Chichesters, die von sich reden machen und nicht die Piefkes, die dreimonatiger Kleinarbeit bis Wangerooge vordringen?

Aber solche ketzerischen Gedankengänge lagen uns am Anfang der Reise noch relativ fern. Wir genossen die Damenbrise bis Langeland, mit dem elastischen Anliegerkurs: wir segelten auf Backbordbug schön voll und bei, fielen ab als der Wind nachmittags rechtsdrehende wieder auf Ost ging. Die Sicht war sehr mäßig, so dass Smutje schon meinte, die Insel Langeland gäbe es vielleicht gar nicht mehr. Dass wir noch so einen skurrilen Ort auf See nicht finden könnten, solche Verdächtigungen lagen außerhalb der Vorstellungskraft ihrer reinen Seele.

Als nach vier Stunden schließlich Land in Sicht kam, war es genau die Einfahrt von Bagenkop. Dort machten wir fest, gingen im Kro essen und genossen den unbeschreiblich schönen, lauen Sommerabend. Um halb zehn schliefen wir wie die Ratzen.

Eine Stunde später weckte Smutje mich. Ich kann bis heute nicht verstehen, wieso es nötig war, dass man jemanden bei diesem Spektakel erst wecken musste. Ein Trommelfeuer tollsten Ausmaßes, dazu taghell. Keiner von uns hat je etwas ähnliches erlebt. Der Himmel stand minutenlang in Flammen und orkanartige Regenböen pressten uns an die Pier, dass unsere dicken Fender auf Buchformat zusammengequetscht wurden. Dies ist also der Auftakt zu unserer Altherrentour! Denn man los... Der Startschuss war gefallen.

 

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