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Unsere Erlebnisse

Jan Mayen - mein Freund der Beerenberg...

Am Morgen verlassen wir Grimsey bei einer schönen Segel-Brise. Wir haben uns für ein Einzel-Wachsystem entschieden, um bei kleiner Crew genug Regenerationsphasen zu haben. Wir starten mit einem 2 Stundenrhythmus: 2 Stunden Wache, 4 Stunden Freiwache. Constantin hält sich wachfrei, um bei Bedarf einspringen zu können. Nach dem ersten Wachzyklus stellt sich eine angenehme Bordroutine ein. Wir ziehen bei leichtem Winden teils unter Motor teils unter Leichtwindspinnaker unsere Bahn durch das diesige Nordmeer. Nach 50 Stunden auf See erhebt sich aus dem dunstigen Horizont Jan Mayen (www.jan-mayen.no). Die Insel vulkanischen Ursprungs liegt 600 km Nördlich von Island und 950 km westlich von Norwegen und ragt über 2000 Meter aus dem Atlantik. Als wir die SW Spitze der Insel runden reißt der Himmel auf und eröffnet den Blick auf den alles dominierenden Hausvulkan - den Beernberg. Sein Ruf eilt ihm voraus. Die letzten Jahre hat er der SY Charisma und ihrer Crew mit seinen launischen Wettereskapaden schwer zugesetzt. Heute strahlt er majestätische mit seinem weißen Gipfel vor blauem Himmel. Es scheint, als ob er kein Wässerchen trüben könnte.

Über Sattelitentelefon kündigen wir unsere Ankunft bei der norwegischen Inselverwaltung an. Die Genehmigung für einen 24-stündigen Aufenthalt haben wir bereits im Vorfeld eingeholt. Gegen 18 Uhr lassen wir den Anker an der Westküste in der Kvalrossbukta fallen. Unser Besuch wird über Funk bestätigt. Man erwartet uns am nächsten Tag 10 Uhr zu einem Inselrundgang am Strand.

Wir sind nicht alleine in der von der Atlantikdünung rollenden Ankerbucht. In etwas Entfernung liegt die Polar Bear - eine britische Segelyacht, die wir bereits aus Akureyri kennen. An Bord sind abenteuerlustige Bergsteiger, die den Beerenberg erklimmen wollen. Von weitem sehen wir unseren Nachbarn zu, wie sie in ihren Überlebensanzügen beim Anlanden mit der Brandungswelle kämpfen. 

Nach einem bewegten Abendessen, dessen Zubereitung einiges Geschick erforderte, fallen wir müde in die Kojen. Am nächsten Morgen hat sich die Dünung etwas beruhigt. Dei Bedingungen scheinen optimal zur Anlandung. Wir pumpen das Dingi auf und lassen den Außenborder warm laufen. Bis zum Strand sind es ca. 1,5 Kabellängen. Die letzten Meter reiten wir auf der Brandungswelle und werden an Land gespült. Wir werden von Ole Øiseth, dem Commander der Insel Willkommen geheißen. Das erste, was ich beim Sprung aus dem Dingi von ihm sehe, sind seine bis zu Knie geschnürten Gummistiefel, mit denen er in der Brandung unsere Leine annimmt. Die letzten Ausläufer der Welle bahnen sich gerade den Weg in meine Wanderschuhe....

Nach der Begutachtung eines Walskelettes aus früheren Zeiten fahren wir im Jeep über die Insel. Unser Ziel ist die Meteorologische Station, die von den Norwegern hier betrieben wird. Wir bekommen Kaffee und Kuchen und unterhalten uns in der Lounge mit den Mitarbeitern der Station. Wir scheinen eine willkommene Abwechslung zum Inselalltag zu sein. Nach einem Mittagessen und einem Einkaufsbummel im stationseigenen Shop werden wir wieder zu unserem Ankerplatz gefahren. 

Die Brandungswelle hat sich weiter aufgebaut und wir haben alle Mühe, das Dingi ins Wasser und uns in das Dingi zu bekommen. Als das geschafft ist, paddeln wir, was das Zeug hält. Eine Welle bricht direkt vor uns und verpasst uns eine kalte Dusche. Frische Geschichte - das Eiswasser steht knöchelhoch. Paddeln, paddeln, paddeln ... endlich springt der Außenborder an und wir manövrieren uns aus der Brandungszone. Nass, aber zufrieden über unsere Anlandung, erreichen wir die Dantés.

Die Wettervorhersage ist günstig für uns und wir verlassen gegen 14:00 Uhr UTC unseren Ankerplatz. Jetzt geht es entlang des Beerenbergs Kurs Nord-Ost Richtung Spitzbergen. Der Berg scheint uns diesmal wohlgesonnen. Ohne Eiswolke und Fallböen verabschiedet er uns bei Sonnenschein mit seiner schneebedeckten Gletscherspitze.

Langsam verblasst die Insel am Horizont. Vor uns liegen weitere 600 sm durch das Europäische Nordmeer...

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