Wir jagen bei Starkwind mit Kurs am Wind im Seegebiet der westlichen Deutschen Bucht durch die Nordsee. Der Seegang ist bei dem aufkommenden steifen Starkwind noch nicht ausgeprägt, was zu einer schnellen Fahrt mit 40° Anstellwinkel zum Wind führt. Besegelung: Genua IV und Großsegel im dritten Reff bei 25 kn, in Böen 30 kn Wind.
Gemäß dem über grib.us empfangenen Wetterbild empfiehlt es sich zügig Strecke nach Westen zu machen, aber die Aussichten lassen es uns ratsam erscheinen, in absehbarer Zeit das ‚S‘ und somit Kurs NE zu segeln.
Das Segeln durch die Nacht in den frühen Morgen ist durch steifen Starkwind geprägt. Der Seegang nimmt zu. Die Wetteraussichten und das Seewetter fordern unsere Substanz. Es ist an der Zeit, unsere Wettertaktik – das große ‚S‘ umzusetzen. Um 05:30 wenden wir auf Steuerbord-Bug und segeln Kurs NNE. Das bedeutet, dass wir uns nicht der größten Intensität des Sturmtiefes in der westlichen Nordsee aussetzen. Das bedeutet auch, dass wir uns dem Kern des Sturmtiefes nähern und im gleichen Maße der Kern des Sturmtiefes uns entgegen zieht. Diese Situation geht mit einem rapiden Sinken des Luftdrucks einher – ein Hectopascal pro Stunde...
Es herrscht ein großes Luftdruckgefälle zwischen dem Hoch über dem Atlantik mit 1037 HPa und dem Tief mit 999 HPa über der Ostsee. Wir segeln bei steifem Am-Wind-Kurs in nordöstliche Richtung. Die Genua IV ist bei 7 Beaufort geringfügig eingerollt und damit verkleinert. Das Unterliek kommt dadurch höher, so dass überkommende Wellen ohne Widerstand über den Bug waschen können. Das gleiche Prinzip gilt bei der zum Schothorn hoch geschnittenen Sturmfock, die wir jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht zu segeln brauchen.
Auswirkungen der Kaltfront – klarer blauer Himmel und schönes Segelwetter bei Starkwind auf hoher See. Mit der Annäherung des Sturmtiefs wird sich das Wetter wieder ändern...

