Der Auftakt zum Trans Ocean Race hielt alles parat was ambitioniertes Segeln ausmacht. Das Seewetter war schwer vorherzusagen, da die Zugbahn des in der Nacht von Samstag auf Sonntag durchziehenden Sturmtiefs nicht feststand. Das hieß variable Winde aus möglicherweise SW oder NE. Der Wind schwächer oder stärker, Vorsegel Genua II oder III?
Wir starteten lokal bedingt bei NW 4 in Boen 5 und segelten unter Genua III bei NW drehendem Wind in eine aufgewühlte Atlantikdünung. Zwei Yachten in unserem Umfeld schrotteten ihre Spinnaker durch Sonnenschüsse bereits auf den ersten Meilen.
Elmo:Zunächst war es ein guter Start. Wir hatten einen fünfer Wind von achtern aber eine Dünung mit 2-3 m Wellen von vorne. Der Kurs wurde von den Wegpunkten bestimmt, die südlich umsegelt werden mussten, wie es von der Regattaleitung vorgegeben war. Einige Boote setzten bei diesen Verhältnissen sehr früh den Spinnaker und drehten sich eine Eieruhr oder fuhren einen Sonnenschuss - und dies bereits in der ersten Stunde. Sodass diese Boote einen Mann/Frau in den Mast schicken mussten.
Die Flotte kam von Start besser weg als prognostiziert. Als sich die Wind - und Seeverhältnisse abseits vom Land etwas harmonisiert hatten, setzten auch wir unseren roten Starkwind-Spi und machten gute Fahrt. Als am späten Nachmittag der Wind nachließ, tauschten wir das rote Tuch gegen den blau-weißen Leichtwind-Spi. So segelten wir in die Abenddämmerung, bargen die Genua III, legten sie auf dem Vorschiff zusammen und befestigten die Genua II an der Rollanlage. Das sollte sich in der Nacht, in der der Mond aschfahl aus dem Wolkenschwaden herauslugte noch rentieren.
Uns erfasste ein nebel-durchsetztes Flautenfeld. Die kreuz und quer laufenden Wellen des Atlantiks führten zu einer hohen Materialbelastung, hohem Aufwand mit sehr geringem Nutzen. Wir bargen den Spi, auch um unserer Ressourcen auf den 3.000 sm Atlantik zu schonen. Die Genua zwei kam zu Einsatz. Mit dem großen Vorsegel waren wir bei den leichten und sehr wechselhaften Winden flexibler aufgestellt.
Mit dem Sonnenaufgang klarte es wieder auf und wir setzten erneut den 180 qm Spinnaker. Seit dem jagen wir mit optimaler Geschwindigkeit durch den Atlantik, südlich des Tiefs dem nach Osten wandernden Hoch hinterher.
Elmo:Die Nacht war beschwerlich: Unter Spinnaker, im Dunkeln, der Wind schlief ein, die Dünung ließ unsere Segel wie Kanonenschläge knallen. Um 4 Uhr UTC dann der Entschluss zur Halse und Wechsel auf Genua 2. Damit krochen wir dann mit knapp 2 kn Fahrt umher auf der Suche nach Wind. Heute Morgen herrliches Wetter, ein Kaffee, der Spinnaker zieht wieder. Jetzt versuchen wir auf den Eddie nördlich des Golfstroms anzulegen, um den Strom mitzubekommen.


