Wir sind mit aufmerksamen Steuerleistungen des Charisma-Teams gut durch die Nacht gekommen. Das Großsegel ist seit gestern mit Marlschlägen auf dem Baum verzurrt. Die solide Genua II fahren wir gerefft gemäß dem zwischen Halbwind und Raumschots einfallendem Starkwind und machen gute Geschwindigkeit.
Als am frühen tiefgrauen Morgen Regen einsetzte, bin ich erneut hoch und habe die Wache von Gerd, der am Steuer war, und Bernd begleitet. Kurze Zeit später setzten schwere Sturmböen ein, die die Yacht mit unterspülten Leedeck in den Wind schießen ließen. Ich war schon an der Winsch auf der die Einrollleine der bereits gerefften Genua II belegt war. Bernd und ich haben das Vorsegel weiter reduziert bis der Steuermann wieder Ruderdruck hatte. Die Front brachte sintflutartige Regenfälle, die das Wasser glatt gebügelt haben. Es ist eine einzigartige Atmosphäre der Naturgewalten in den Weiten des Nordatlantischen Ozeans.
Elmo: Die Nacht war sehr bewegt: sehr viel Bewegung im Schiff. Schlafen war nur in kurzen Etappen möglich. Dann in der Nacht fast aus dem Nichts frischte der Wind auf 40 kn auf. Wir lagen fast auf der Seite. Gerd konnte uns gerade so halten. Constantin hatte die geringfügigen Veränderungen der Bootsbewegungen schon im Vorfeld gespürt und hatte sich ins Ölzeug gekleidet und war an Deck, sodass er sofort die Genua wegrollen konnte. Wir waren sowieso nur unter Genua mit 8 kn SOG unterwegs. Dann regnete es wie aus Eimern, meine Wache begann. Das Oelzeug ist jeden Euro wert, den es gekostet hat. Es regnete fast die ganze Wache - 4 Stunden.
Nun steuert die Charisma unter Ausnutzung eines Eddies und mit gutem raumen Windanstellwinkel ESE-Kurs. Wir passieren heute Nacht den Meridian des westlichen Südpunktes, morgen Nacht den östlichen Südpunktes von Point Alpha. Wie erwartet läuft alles sehr gut an Bord.
Elmo: Nach der nächtlichen Dusche zeigte sich am morgen kurz die Sonne und Baden war angesagt. Für mich nicht auf dem Vorschiff, da die Bootsbewegungen noch zu heftig waren. Ich hatte mir eine Handdusche aus einem 3 L Wasserkanister gebastelt. Schön im Sitzen im Cockpit, dann in der Sonne trocknen - schon sind die Haare wieder fluffig. Gerd machte am Nachmittag den Bademeister für den Rest. Ansonsten Bordroutine: Karl unser Wetterfrosch sucht nach der besten Route. Wir vergleichen die Gribdaten, die wir von Andrea über das Paktor-System gesendet bekommen mit den Daten, die ich über das Iridium Satellitentelefon, das IPad und die App Weather4D bekomme. Wir diskutieren den sinnvollsten Weg und hoffen, diese Nacht südlich an dem Flautenfeld vorbeizukommen. Am Herd kocht Guido ambitioniert Pasta mit Ratatouille.
Das nachrückende Sturm-Tief haben wir im Blick. Abhängig von den aktualisierten Seewetter-Informationen werden wir nach Point Alpha defensiv Kurs E oder ENE einschlagen.


