Unser zweites Etmal (29.06.-30.06.15 jeweils 6 UTC) liegt bei 120 sm. Der gestrige Segeltag stellte uns bei Schwachwind und leichten Briste erneut auf die Geduldsporbe. Unter Leichtwind-Spi segeln wir die Flautenfelder aus. Am Abend müssen wir vorübergehend das Großssegel bergen. Die durch die Atlantikdünung verursachten Schläge des Segels ins Rigg belasten das Material zu sehr.
Elmo:Man glaubt es kaum, aber gestern wären wir fast mit der einzigen Wettertonne auf dem Atlantik kollidiert. Wir haben in den letzten 24 Std. sehr wechselhaftes Wetter gehabt. Flaute, richtig Wind, Regen und Sonnenschein. Gestern war es wieder ein Flautenfeld in dem wir mit dem Strom fast auf diese Tonne getrieben wären. Am Abend glitten wir in ein Nebelfeld hinein, das sich am Rande des Golfstroms gebildet hatte. Es wurde sehr warm und wir hatten ein sommerliches Abendessen - serviert von Matthias (das Fleisch musste aber auch dringend verarbeitet werden).
Am Abend kommt mit S - SE zunehmend schöner Segelwind auf. Bei traumhafter Atmosphäre segeln wir durch ölglatte See in die Nacht. Der Vollmond reflektiert auf dem schwarzen Wasser. Die unterschiedlichen Windverhältnisse halten uns vom Reff-Manöver bis zum Spinnakersegeln auf Trapp.
Elmo:In der Nacht dann ein heftiger Ritt auf einem Am-Wind-Kurs Richtung Osten. Bei mir purzelte alles aus der Koje und am Morgen glich das Aufstehen einer Klettertour - der Ausstieg aus der Lotsenkoje bei maximaler Krängung. Also über das Leesegel, ein Griff zum Vorschott, den Fuß auf den Tisch geschwungen, den Schwung am durchgesteckten Mast abgefangen, jetzt noch den hinteren Fuß über das Leesegel an der Kojenstütze vorbei manövrieren und vom Tisch springen und bei schaukelndem Schiff Halt auf dem Boden suchen. Und das alles ging ohne blaue Flecken... In der Nacht davor malträtierte mir jedoch das Begrenzungsbrett der Lotsenkoje hinter dem Leesegel meine Rippen. Durch die Krängung hing ich nämlich nur im Leesegel.
Das Windfeld der angekündigten Front lässt auf sich warten. Stadessen erfasst uns eine leichte Brise, die uns in der Atlantikdünung mit schlagenden Segeln einparken lässt.
Elmo:Zur Zeit dümpeln wir wieder in einer Flaute, es ist warm, hohe Luftfeuchtigkeit und alle Wettervorhersagen stimmen nicht. Wir hätten die Wettertonne doch umbügeln sollen...
Ein paar Stunden später ist es jedoch soweit. Die Ausläufer der Front bringen frischen SW - Wind. Jetzt laufen wir wieder mit 6,5 kn in Richtung Osten.


