Unser drittes Etmal (02.07.-03.07.15 jeweils 6 UTC) liegt bei 180 sm. Die Wetterküche des Atlantiks hält alle Varianten bereit. Nachdem ein fieses kleines Flautenfeld (wenige Meilen nebenan gab es Wind) unsere zuvor gute Positionierung zunichte gemacht hat, sind wir wieder gut unterwegs. Eine wechselhafte SW-Lage erfordert Segelmanöver, die uns auf Trapp halten. Die Wärme des Golfstroms führt zu tiefen Quellwolken und nebelartiger Sicht auf dem Wasser. Später zog es dunkelgrau von achtern auf und es schüttete wie aus Kübeln. Wir hielten unserer Geschwindigkeit und segelten bei sich beruhigendem Wind und Seegang in die Nacht.
Seit dem Morgen frischt es kontinuierlich auf. Bei stürmischen SW-Wind baut sich durch die querlaufende Strömung eines Eddies zusätzlich zur Atlantikdünung ein Seegang bis zu 4 Metern auf. Wir steuern die Charisma konzentriert durch die sich brechenden Wellen, halten unserer Swan ideal auf Kurs und achten darauf, dass die Yacht bei den schräg von achtern einfallenden Wellen nicht ausgehebelt wird oder querschlägt.
Elmo: Nein, wir haben keinen Friseur an Bord. Die Dauerwellen beziehen sich auf den starken Seegang, den wir seit fast 24 Std haben. Bei bis zu 8 Bft Wind aus SW bauen sich 4 m hohe Wellen auf, die uns von schräg hinten anheben, absenken, nach rechts und nach links, nach vorne und nach hinten schaukeln lassen. Man muss dauernd die Muskeln angespannt lassen. Das Steuern ist sehr anspruchsvoll, denn ein Querschlagen muss zu jedem Zeitpunkt vermieden werden.
Jedes Crew-Mitglied des Charisma-Teams ist bestens eingestellt, zuverlässig und belastungsfähig. Wir jagen mit bis zu 11 kn rasanter Fahrt über Grund gen Osten. Zuvor haben wir mit Reff-Manövern das Schiff passend zur stürmischen Seefahrt eingestellt. Der Panther (Kosename der Neuengland-Crew für ihren Skipper) stinkt wie ein Ilits - aber es ist für einen guten Zweck: Wir kommen getränkt von Seewasserduschen gut voran.
Elmo: Unser Mann für besondere Aufgaben - Special Agent Gerd - bringt es sogar fertig, bei diesem Seegang Kaffee zu kochen - Filterkaffee! Außerdem hat er abends noch was geschnippelt und gekocht. Wir kommen jetzt gut voran. Im Boot sind gefühlte 35 Grad und 100 Prozent Luftfeuchte. Im Cockpit muss man jederzeit damit rechnen, vom Spritzwasser komplett geduscht zu werden - so geschehen beim ersten Bild - da sitzt dann die Locke auch nicht mehr so gut (siehe zweites Bild). Das nächste Mal nur mit Dauerwellen!
Mittlerweile hat der Wind auf SW 6 nachgelassen, wir sind aber gewappnet, wenn es in der Nacht wieder auffrischen sollte. Morgen Abend sollten wir den Meridian des westlichen Point Alpha passieren, einen Tag später dann den östlichen Wegepunkt der Südtangente von Point Alpha. Wir halten uns weiter in östlicher Richtung südlich 41 N.



