Der Wind dreht am Abend des 24. Juni in wechselnden Windstärken von S-SW rechts auf W. Das bedeutet für unsere Kursline südlich an Point Alpha vorbei, achterlichen Windeinfall. Das Race-Commitee hat aufgrund einer möglichen Eisgefahr die zu vermeidende Fläche mit 4 Markierungen definiert. Alle Wegepunkte, die den Regatta-Kurs kennzeichnen, bleiben Backbord liegen. Aufgrund der zu erwartenden Wetterlage, dass im Azorenhoch wenig Wind vorherrscht, und dafür im nördlichen Nordatlantik Wind aufgrund der Tiefdruckgebiete resultiert, ist es im Interesse der teilnehmenden Yachten das Carree dicht bei zu passieren, um möglichst bald in nördlichere Regionen des Ozeans zu gelangen und somit mit optimalen Wind in den Englischen Kanal zu segeln.
Für uns bedeutet dieser Regatta-Abschnitt, dass wir die Segel so vor dem Wind trimmen, dass wir möglichst effizient und schnell die Passage besegeln. Das geht jedoch nur, indem wir die Yacht mit jeweils räumlichen anstatt achterlichen Windeinfall steuern. Somit segeln wir sicherer und schneller. Hierfür baumen wir unsere Genua-2 mit der luvwärtigen Schot wie beim Spinnaker über den Spibaum nach Luv aus, das Großsegel ist mit einem Bullenstander leewärtig gesichert. In der Nacht nimmt der rückdrehende Wind sowie der Seegang zu, wir binden in der Dunkelheit der Neumondnacht das erste Reff ins Großsegel. Alle Arbeiten finden in der bewegten See des Atlantiks mit großer Koordination der Crew in guter Seemannschaft statt. Dadurch, dass wir erneut eine Strömung des Golfstroms zu fassen haben wird unsere Geschwindigkeit zusätzlich intensiviert. Wir segeln zeitweise mit 9 kn durch den Ozean. Aufgrund der warmen Wassertemperaturen entstehen thermische tiefhängende Wolken über dem Golfstrom, gleichzeitig reissen diese wieder auf und wir segeln unter sternenklarem Nachthimmel. Die Crew wechselt sich alle halbe Stunde am Steuer ab, damit die Yacht kontnuierlich sicher gesteuert werden kann.
Am Morgen des 25. Juni halsen wir auf Steuerbord-Bug. Dafür müssen wir an Bord das Vorsegel einrollen, den Spibaum abschlagen, das luvwärtige Backstag lösen, das Großsegel schiften und sichern, den Spibaum neu luvwärtig anschlagen und das Vorsegel ausrollen. Am Nachmittag führen wir das Schiftmanöver erneut durch, wir segeln bei frischem SW-Wind in die 8. Nacht, Kurs ENE noch 300 sm zur SE-Markierung von Point Alpha.
Seit unserem Start in Newport, RI liegen 1.000 sm in unserem Kielwasser.

