Unsere Erlebnisse

TR25 Tag 9 | Das Neufundlandseegebirge (99 sm)

Mit zunächst stabilem NNW 4-5 Beaufort segeln wir am Abend des 26. Juni weiter in östliche Richtung. Auf unserer Route entstehen meterhohe Wellen, die an die Bordwand klatschen und das Deck nässen. Der Seegang ist ‘bockig’ und führt zu einer wahren Buckelpiste. Die Strömung wird durch einen Eddie, einem gegenläufigen Stromteller verursacht. Gut, dass wir in dieser Neerströmung mit genügend Windenergie dagegen halten können. Wir haben neben der ausgefahrenen Genua ein Reff ins Großsegel gebunden, um die Überholbewegungen der Yacht in Grenzen zu halten.

Unter der Wasseroberfläche
Der Grund für diesen indifferenten Seegang liegt jedoch auch an der Unterwassertopographie - dem Neufundlandseegebirge. Von über 3.000 m Wassertiefe ragen die Newfoundland Seamountains auf 1.600 m unter Wasser hoch und haben entsprechend Einfluss auf das Wellenbild. Ich mache mir als Skipper schon Gedanken, ob ich die Gegenströmung navigatorisch hätte verhindern können. Jedoch haben wir die Yacht zuvor optimal zum bestehenden Windeinfallswinkel und in Relation zu unserer Bootsgeschwindigkeit getrimmt. Wir müssen einfach durch diese Phase durch, zumal der Golfstrom letztlich doch in östliche Richtung setzt.

Wind weg
In der Nacht lässt der Wind gemäß der von uns empfangenden Gribdaten nach, und auch der Seegang beruhigt sich. In den frühen Morgenstunden der Neumondnacht holt uns ein nach Osten wanderndes Flautenfeld ein. In der Dünung des Atlantiks schlagen die Segel, die Brise ist umlaufend 0-1 Beaufort - die Situation nicht mehr segelbar. Wir bergen das Tuch, um das Material zu schonen und achten auf unsere Ressourcen.

Mit dem Strom
Die Stimmung auf dem weiten, ölig wirkenden Nordatlantischen Ozean ist vergleichbar mit dem Nordmeer. Den Unterschied macht jedoch der Golfstrom. Der mitlaufende Strom, der auch durch einen Eddie verursacht sein kann, setzt bis zu 3 kn gen E. Wir treiben nahezu ohne Ruderwirkung ohne Segel und Wind in östliche Richtung. Gut, dass wir uns tagszuvor konsequent durch die Gegenströmung gearbeitet haben. Sobald das Flautenfeld über uns hinweg gezogen ist, wird wieder Wind kommen.

Seewetter
Wir befinden uns im Einfluss eines umfangreichen Tiefdruckgebietes mit Kern über Island und einem Frontensystem, das den Nordatlantik überspannt. Nach der Flaute wird sich auch in unserem Seegebiet Starkwind entwickeln. Zur späten Mittagszeit ist es soweit, es setzt eine SE-E Brise mit 1-2 Beaufort ein. Das nutzen wir mit Genua-2 und Großsegel mit insgesamt 115 qm Segelfläche zum Segeln Kurs ENE in der weiten Dünung des Ozeans. Die fünfstündige Phase des vorherigen Treibens mitplottend, kommen wir auf 18 sm, die wir in diesem Seegebiet ausschließlich mit der Strömung des Nordatlantiks nutzen konnten.

Unter sonnigen Zwischenhocheinfluss segeln wir in den 10. Abend.

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